Retrospective
 

Wien wie noch nie II

11.9.–21.10.2020

FR 11.9.: Freier Eintritt für FAA-Clubmitglieder

Unser Sommerkino 2020: ein wunderbar facettenreicher filmischer Stadtspaziergang durch ein Jahrhundert Kinogeschichte. Die Route führte vom Prater in Richtung Stephansdom und Karlsplatz, von Alt-Erlaa nach Schönbrunn und zur Mariahilfer Straße, von den äußersten Stadträndern mitten hinein ins Herz – Wege, die jeden Tag tausendfach beschritten werden. Teil zwei der Retrospektive lädt auch im Herbst dazu ein, diese Orte und die Menschen, die sie bevölkern, mittels magischer Leinwandprojektionen zu besuchen und aus anderen Blickwinkeln zu entdecken. Denn wie im echten Leben ermöglicht manchmal schon eine kleine Veränderung der Perspektive ganz neue, sinnliche Wahrnehmungen und Erfahrungen von dem, was man bereits zu kennen glaubte.

 

Begleitend zur Retrospektive sind im digitalen Heimkino kostenlos weitere ausgewählte Programme zu sehen.


Wien wie noch nie II

Retrospektive vom 11. September bis 21. Oktober 2020

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Wem gehört eigentlich Wien? Eine vermeintlich simple Frage, die ebenso simple Antworten provoziert: den Wienern! So geschehen bei Peter Weibels Straßenbefragungen in Ernst Schmidt jrs. Kompilation WIENFILM 1896–1976. Richtig interessant wird es dann, wenn er weiter fragt, was die Wiener denn mit ihrer Stadt tun können. Die Fortsetzung unseres Sommerkinoschwerpunkts Wien wie noch nie hat darauf die passende Replik: sie filmen!

 

Wir haben in den Tiefen unseres Archivs gegraben, um auf den folgenden Seiten nahezu 80 Arbeiten zu präsentieren, die ein knappes Jahrhundert Kino- und Stadtgeschichte umfassen und den Versuch unternehmen, dem Wesen der Stadt und ihrer BewohnerInnen auf den Grund zu gehen. Die Auswahl reicht dabei von (scheinbar) beiläufig aufgenommenen Amateurfilmen der 1930er- und 40er-Jahre bis hin zu präzise und ambitionierten Avantgarde-Experimenten, mit denen heute renommierte KünstlerInnen wesentliche Grundsteine für die seriöse Wahrnehmung des österreichischen Films außerhalb unserer Landesgrenzen legten. Es sind Filme, die die Stadt weniger als Kulisse, sondern vielmehr als Zustand, als Summe ihrer Teile begreifen. Sie sind manchmal didaktisch, manchmal rein beobachtend, und manchmal flaniert man darin einfach leichtfüßig durch die Straßen und Gassen. Sensible Momentaufnahmen treffen auf mit kräftigen Pinselstrichen auf die Leinwand geworfenes Erzählkino.

 

Das Programm durchmisst das Zusammenleben in der Stadt wie auch politische und gesellschaftliche Entwicklungen anhand unterschiedlichster Fragestellungen: etwa, wie sich der soziale Wohnbau von einem der großen Leuchtturmprojekte des Roten Wien hin zum eher tristen Bild der Gemeindebauten entwickelt hat; welche Lebens-, Arbeits- und Freizeiträume die Stadt ihren BewohnerInnen zur Verfügung stellt; wie es all jenen ergeht, die hier neu ankommen und sich einleben müssen; welche Chancen die Außenseiter, Glückssucher und Lebenskünstler haben, die Wien bevölkern.

 

Die kanonischen Wien-Locations, die man aus dem Kino kennt – Riesenrad, Steffl, Schönbrunn – sind zwar auch in diesen Filmen präsent, sie halten sich jedoch dezent im Hintergrund. Stattdessen gilt die Einladung, jene Orte der Stadt (neu) zu entdecken, deren filmtaugliche Qualitäten sich erst auf den zweiten Blick offenbaren: schäbig-schicke Kellerlokale in der Vorstadt, stark frequentierte Verkehrsknotenpunkte, unauffällige Häuserzeilen. An ihnen vermag sich kraft des Kameraauges die Poesie des Alltäglichen zu entfalten, die das Besondere am Leben in dieser Stadt ausmacht und die von ihrem Wesen erzählt: von Träumen, die bleiben. (Florian Widegger)

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