Retrospektive
Zum siebten Mal laden wir zum verlängerten Wochenende durch die abseitigen wie kultigen Gefilde der Filmgeschichte und versprühen Bahnhofskinoflair im Historischen Saal. Auf unserer Reiseroute durch Fernost treffen wir unter anderem auf wagemutige Superhelden, gefräßige Riesenechsen oder zerstörungswütige Motorradfahrer. Natürlich ausschließlich in glorious 35 mm, mit kurzen Einführungen und Trailershows vor jeder Vorstellung.
Do, 26. Feb. - So, 1. März
Do, 26.2., 18:30
Wild Weekend Goes East
Standesgemäß eröffnen wir unseren fernöstlichen Filmreigen mit dem Mann, der das Hongkong-Kino im Westen erst so richtig berühmt gemacht hat: Bruce Lee – in seinem ersten von nur vier vollendeten Spielfilmen. Kampferprobt, aber arbeitslos verschlägt es ihn nach Thailand, wo er in einem kleinen Ort in einer Eisfabrik unterkommt. Schon bald bekommt er die krummen Geschäfte, in die seine Bosse verstrickt sind mit – und ist nicht der einzige. Als zwei Kollegen spurlos verschwinden, stellt er Nachfor
Do, 26.2., 20:45
Wild Weekend Goes East
Schon kurz nach Bruce Lees Tod explodiert die Bruceploitation: zahllose Kopien, wilde Imitationen, schillernde Absurditäten. Diese hier mit Bruce Li setzt dem noch eins drauf: Er soll einen entführten Professor befreien, begleitet von »interessanter« Musik und herrlich skurrilen Kampfeinlagen samt Supermann-Outfits. Ein wilder Rausch, den Oliver Nöding treffend als »Raserei eines cholerischen, unter LSD-Flashbacks leidenden Epileptikers« beschreibt.
(Florian Widegger)
Fr, 27.2., 18:30
Wild Weekend Goes East
Ein Tropensturm fegt ein Inselparadies hinweg – doch was wie ein TWISTER im Miniaturformat beginnt, wird rasch zum obskuren JAWS- Rip-Off aus Thailand: Statt Hai wütet ein mutiertes Krokodil, das je nach Drehbuchbedarf seine Größe ändert und mit Vorliebe Kleinkinder und Kleinstädte zerlegt. Atomtests sind schuld, natürlich. Am Ende rücken drei Männer mit Dynamit und auf einem viel zu kleinen Boot aus – und das Chaos nimmt seinen Lauf.
(Florian Widegger)
Fr, 27.2., 20:30
Wild Weekend Goes East
Im Himalaya wächst Krishna, gesegnet mit den Kräften seines ermordeten Vaters, behütet von der Großmutter zum stillen Helden heran. Als er eine junge Frau rettet und sich verliebt, erwacht seine wahre Bestimmung: Krrish, Indiens Antwort auf Spider-Man und Zukunftsphantasien. Zwischen Siu-tung Chings Actionchoreografie, epischer Romantik und glänzen- dem CGI verschmelzen Spiritualität, Spektakel und Gefühl zu einem modernen Märchen.
(Florian Widegger)
Sa, 28.2., 16:30
Wild Weekend Goes East
China, Ende der Qing-Dynastie: Brutale Kampfschulen terrorisieren die Bevölkerung. Schüler Tien-Lung verliert bei einer Auseinandersetzung seinen Meister und seinen linken Arm – und sinnt verständlicherweise auf Rache. Jimmy Wang Yu, Regisseur und Star zugleich, entfesselt einen kompromisslosen Stil: roh, direkt, ohne erzählerischen Ballast. Der ONE-ARMED BOXER wird zum blutigen Höhepunkt eines Martial-Arts-Kinos, das von purer Körperlichkeit lebt.
(Florian Widegger)
Sa, 28.2., 18:30
Wild Weekend Goes East
Vom frivolen Titel sollte man sich bloß nicht in die Irre führen lassen, denn Hiroshi Mukais Film ist alles andere als lustig, sondern erzählt von einer jungen Frau, der der soziale Aufstieg aus der herunterge- kommenen Vorstadt nicht erlaubt ist – im Gegenteil: Weil sie immer an die Falschen gerät, bleibt ihr am Schluss nichts mehr übrig. Starker Tobak, eingefangen in perfekt kadrierten wie brutalen Cinemascope-Bildern, mehr schwarz als weiß.
(Florian Widegger)
Sa, 28.2., 20:45
Wild Weekend Goes East
Am besten, man verrät gar nicht so viel – außer, dass Spiralen und Schnecken in diesem originellen wie unheimlichen Kleinod eine ganz besondere Rolle spielen. Wie ein feuchter, schleimiger Traum legt sich das flirrende Panoptikum aus wirbelnden Formen und verzerrten Perspektiven auf die Sinne: Eine kosmische Parabel über eine Welt, die unausweichlich ins Schleudern gerät – verstörend, seltsam schön und schwer wieder abzuschütteln.
(Florian Widegger)
So, 1.3., 13:00
Wild Weekend Goes East
In Japan erwacht traditionell immer irgendwo ein Monster – diesmal der vampirartige Gaos, dessen Strahlen selbst Millionenstädte verglühen. Während Wissenschaft und Militär ratlos zusehen, liegt es an Gamera und dem tapferen Eiichi, das Chaos zu stoppen. Naiv, grell und überbordend feurig entfaltet sich ein Kaiju-Kracher, der mit buntem Charme und wunderbarer Unbekümmertheit bis heute begeistert.
(Florian Widegger)
So, 1.3., 15:30
Wild Weekend Goes East
Ein Anschlag löscht Sonnys Familie aus – doch dank experimenteller Bionik wird der schwer verletzte Junge zum Superknirps: schneller, stärker, unerschütterlich. Das philippinische Rip-Off von DER SECHS-MILLIONEN-DOLLAR-MANN treibt jede Idee ins Groteske: Zeitlupenprügeleien, Gaga-Dialoge, ein Rachefeldzug voller Cartoon-Brutalität. In deutscher Synchro wird daraus ein Trash-Fest, das gerade wegen seiner Schrullen funktioniert.
(Florian Widegger)
So, 1.3., 18:30
Wild Weekend Goes East
Ein Strandwochenende kippt ins Chaos, als eine Horde Biker über vier Freunde herfällt. Was wie ein 08/15-Terrorplot klingt, entpuppt sich als entfesselter Adrenalinstoß: Zerstörungsorgien, dreckige Sprüche, null Atempause. Die fiesen Jungs verwüsten auf ihren Feuerstühlen Häuser mit derselben Lust, mit der sie glitschige Seegurken schwingen. Roh, überdreht, herrlich exzessiv: ein wildes Brett aus dem Hause Shaw Brothers.
(Florian Widegger)
So, 1.3., 21:00
Wild Weekend Goes East
Zum Abschluss führt Japans Sexploitation-Großmeister Teruo Ishii in die Edo-Zeit und zeigt ohne Umschweife eine Justiz, die auf Folter gründet. Drei Episoden erzählen von Frauen, die an Ehre, Schuld und rigiden Moralcodes zerbrechen. Trotz drastischer Bilder – selbst in gekürzter Fassung – entfaltet der Film eine bedrückende Schönheit: düstere Tableaus über Bestrafung und Kontrolle, die als Spiegel historischer Machtphantasien erschreckend klar sind.
(Florian Widegger)