Peter Alexander – kaum ein anderer Name ist so eng mit der heimischen Unterhaltungskultur verbunden. Seinen 100. Geburtstag am 30. Juni nehmen wir zum Anlass, eine Karriere zu würdigen, die weit über das hinausgeht, was man gemeinhin mit »Schlagerstar« oder »Filmkomiker« verbindet. Als Sänger, Schauspieler und Entertainer verkörperte er die Sehnsüchte einer Generation, die nach dem Zweiten Weltkrieg vor allem Ablenkung, Leichtigkeit und Verlässlichkeit suchte. Unsere Auswahl ist damit nicht nur Hommage, sondern auch ein Einblick in ein Kino, das sich ganz in den Dienst seines Stars stellt.
Früh macht der gebürtige Wiener mit Streichen und parodistischem Talent auf sich aufmerksam, bevor Kriegserfahrungenals Flakhelfer, bei der Marine und in britischer Gefangenschaft seine Jugend prägen. Nach der Rückkehr beginnt er zunächst ein Medizinstudium, entscheidet sich aber rasch für die Bühne: Am Max-Reinhardt-Seminar schließt er 1948 seine Ausbildung mit Auszeichnung ab. Inspiriert von Frank Sinatra wendet er sich kurz darauf aber bewusst populären Formen zu – weg von der Hochkultur, hin zur großen Unterhaltung.
Rasch nimmt seine Karriere in Film und Musik Fahrt auf und schon bald kristallisiert sich jene Figur heraus, die ihn berühmt machen wird: der charmante, leicht verschmitzte Wiener, der mit nonchalanter Eleganz durch Verwechslungskomödien, Operettenadaptionen und musikalische Lustspiele navigiert. Die Filme sind dabei weniger als eigenständige Werke interessant, denn als Bühne für seine Präsenz. Hinter der scheinbaren Mühelosigkeit steckt präzises Timing, ein Gespür für Pointen und Pausen – Qualitäten, die oft unterschätzt werden. Wo andere ins Chargieren kippen, wahrt Alexander eine ironische Distanz, die das Geschehen leicht erscheinen lässt.
Im Nachkriegs-Österreich verkörpert er eine spezifische Form von Normalität. Seine Filme entwerfen eine Welt ohne Brüche. Sein Publikum liegt ihm zu Füßen und Alexander wird so zur Identifikationsfigur eines Landes, das sich neu erfinden will: freundlich, unbeschwert, ein wenig nostalgisch. Mit dem Wechsel ins Fernsehen erreicht er schließlich ein Millionenpublikum. Da er sein Privatleben konsequent aus der Öffentlichkeit heraushält, verschmelzen Person und Image zunehmend. Unvergessen bleibt bis heute mit seinem Namen ein Versprechen verbunden: für einen Moment scheint ein Film oder ein Lied von ihm die Welt in Ordnung zu bringen.
(Florian Widegger)