Im Schilfmeer eines vom Bürgerkrieg verwüsteten Japan lauern zwei Frauen vorbeiziehenden Samurai auf, um sie zu töten und auszurauben. So sichern sie ihr eigenes Überleben. Kaneto Shindō verdichtet Armut, Begehren und Gewalt zu einer archaischen Parabel, in der das Rascheln des Grases und das Pfeifen des Windes zu akustischen Vorboten des Un- heiligen werden. Die fragile Ordnung kippt, als eine Dämonenmaske ins Spiel kommt: Eifersucht, Verlustängste und (sexuelle) Obsessionen treiben die Figuren in eine unbarmherzige Abwärtsspirale. ONIBABA verbindet Nō-Theater, Folklore und existenzialistische Härte zu einem sinnlich-allegorischen Albtraum, in dem die Gegenwart von der Vergangenheit eingeholt wird – krasse Gegensätze, die sich nicht nur im bombastischen Breitwand-Schwarz-Weiß auflösen.
(Florian Widegger)