In seinem Spielfilmdebüt führt Loznitsa jene dunklen Strömungen weiter, die er zuvor im Dokumentarischen freigelegt hat. Aus Geschichten, aufgeschnappt auf langen Fahrten durch die russische Provinz, entsteht ein Mosaik aus Härte, Zufall und Entwurzelung. Was als Roadmovie beginnt – LKW-Fahrer Georgi rollt durch endlose Wälder und verlassene Dörfer – löst sich bald aus der linearen Form. Begegnungen kippen unvermittelt in andere Zeiten und Realitäten; Erinnerungen brechen wie Fremdkörper in die Gegenwart ein. Was klar scheint, löst sich zugunsten eines düsteren Panoramas auf – durch Oleg Mutus flackernd-unstete Kamera verstärkt, scheint alles aus dem Lot zu geraten. Am Ende bleibt ein Körper auf einer eisigen Straße zurück, verschluckt von einer Nacht, für die das Kino keine Bilder mehr findet.
(Florian Widegger)