Barbara Sukowa verkörpert Hannah Arendt, die 1961 in Jerusalem dem Eichmann-Prozess folgt. Mit scharfem Blick erkennt sie: Das Böse kann erschreckend alltäglich sein – »die Banalität des Bösen« erschüttert eine Welt, die Monster sehen will. Von Trotta zeigt kein graues Biopic, sondern ein vibrierendes Denkdrama: Arendt rauchend in blauen Nebelschwaden, fechtend in Debatten, ringend mit Freunden, Gegnern, Geliebten. Die Philosophin steht mitten im Sturm öffentlicher Wut, wird bedroht, verleumdet, zweifelt – und denkt weiter. Der Film macht Mut zum Widerspruch: Freiheit beginnt dort, wo Denken unbequem wird und selbst nahe Menschen fernrückt. Klug, provozierend, hochaktuell. Ein Kinoessay über Mut zum Denken, auch wenn es weh tut.
(Klaus Davidowicz)
17:30: Mit einer Einführung von Klaus Davidowicz