»Mein erster Film heißt MILIZ IN DER FRÜH. Die Miliz, die Menschen sucht und abholt, trug 20 Jahre nach Kriegsende keine Uniform, sondern tarnte sich mit Biederkeit und lebte fast unerkannt im Inneren der Gesellschaft. Diese Ambivalenz zeigt sich in meinem Film: Täter spielen Opfer, gar nicht so leicht, sich auszukennen. Heute tragen Milizen wieder Uniform (oder Springer- stiefel) und haben Namen wie ICE und stehen nicht nur in der Früh vor der Tür, womit die Sache klar ist. So deutlich erkennbar war mein Film noch nie.«
(Hans Scheugl, 2026)
Die Orte der Zeit
»Hans Scheugl, Jahrgang 1940, ist ein Pionier eines in Österreich stark entwickelten experimentellen Kinos, das 1968 in der Austria Filmmakers Cooperative einen wirkungsvollen Zusammenschluss erfuhr. Er zählt zu den zentralen Chronisten seiner Zeit. Ohne seine Bücher Erweitertes Kino. Die Wiener Filme der 60er Jahre (2002) oder das vergriffene Standardwerk Eine Subgeschichte des Films. Lexikon des Avantgarde-, Experimental- und Undergroundfilms (1974, zusammen mit Ernst Schmidt jr.) würde ein wichtiger Teil der Filmgeschichte schlichtweg nicht vorliegen.«
(Dietmar Schwärzler)
»Im September 1969 findet im Fernsehen eine Publikumsbeschimpfung statt: In der ORF-Reihe APROPOS FILM setzt sich ein junger Künstler als antibürgerliche Kraft in Szene. Aus dem sprichwörtlichen Underground, aus einer tiefen Baugrube unterhalb des Wiener Rathauses, beginnt er, während er spricht, die Kamera mit Schutt und Steinen zu bewerfen. Die Wut treibt ihn an, die Entgeisterung über das provinzielle, kunstfeindliche Österreich und seine ›faschistoid-reaktionären Kulturfunktionäre‹. Der Furor kommt der Avantgarde zugute.«
(Stefan Grissemann, 2015)
In Kooperation mit sixpackfilm
Weitere Texte und Abbildungen: Homepage von Hans Scheugl