Mit 103 Jahren realisiert der jung gebliebene portugiesische Altmeister (hier ist der Begriff endlich einmal angebracht) Manoel de Oliveira seinen letzten Kinofilm, nach einem Vierakter aus dem Jahr 1923. Um seine Schwiegertochter nicht zu verlieren, hat der inzwischen gebrechliche Buchhalter Gebo über die Jahre immer wieder Nachrichten seines verschwundenen Sohnes erfunden. Eine Lüge, die so lange gut geht, bis der Sohn eines Tages tatsächlich wieder auftaucht … Das konzentrierte Kammerspiel versucht gar nicht erst, seine Bühnenherkunft zu verleugnen: In der karg eingerichteten, spärlich beleuchteten Stube kann man sich ganz auf das hervorragende Ensemble großer europäischer Schauspiellegenden am Höhepunkt ihrer Kunst einlassen. Ein Spätwerk im allerbesten Sinne!
(Florian Widegger)