Ein Wald, ein Verbrechen – und vier Versionen desselben Geschehens: Aus zwei Erzählungen von Ryūnosuke Akutagawa entwickelt Akira Kurosawa eine Versuchsanordnung über Wahrheit und Wahr- nehmung. Unter dem Stadttor Rashōmon berichten ein Mönch, ein Holzfäller und ein Passant von einem Mordfall, dessen Ablauf vor Gericht in widersprüchlichen Aussagen rekonstruiert wurde. Rückblenden lassen jede dieser Versionen als mögliche Wirklichkeit erscheinen – konstant bleiben nur Ort und Figuren. Der Film entfaltet daraus kein Rätsel, das es zu lösen gilt, sondern ein Gefüge aus Blicken und Deutungen. James Bernadelli: »Es geht nicht um Schuld oder Unschuld«, vielmehr um etwas, das tiefer geht: »die Unfähigkeit eines jeden Menschen, die Wahrheit zu kennen.«
(Florian Widegger)