Dass Armin Mueller-Stahl, der deutsche Weltstar des Kinos, auch ein großartiger Maler ist, gilt es hierzulande erst zu entdecken. Schon früh begann er, seine Bühnen- und Filmrollen auf Papier und Leinwand zu reflektieren. In seinen ausdrucksstarken Bildern führt Mueller-Stahl selbst Regie – und vollzieht dabei einen Rollenwechsel, der ihm besonders wichtig ist. Die Gemälde treten in einen spannungsvollen Dialog mit den Filmen, sie kehren in ihrer Anlage durch den Maler Armin Mueller-Stahl die Blickführung des Betrachters um und führen durch die Rollen, Silhouetten und Kostüme hindurch ganz direkt zur Persönlichkeit.
Diese erste Ausstellung seiner Gemälde in Österreich umfasst die ganze Bandbreite seiner bildnerischen Arbeit. Neben Selbstporträts in ausgewählten Filmausschnitten sind auch Begegnungen, die am Filmset und darüber hinaus stattfanden, ein durchgängiges Motiv. Dabei hat die selbst erlebte Flucht- und Migrationserfahrung Armin Mueller-Stahl vor allem für die Geschichten und Schicksale jüdischer Künstler:innen sensibilisiert; viele wurden zu seinen Weggefährten und Freunden. Die Bilderserie »Jüdische Freunde«, die auch einige österreichische Künstler wie Billy Wilder, Georg Stefan Troller oder Max Reinhardt zeigt, formt ein expressives Panorama prägender Persönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.
Die Ausstellung Film.Stills präsentiert ein kontrastreiches Entschleunigungs-Programm zu den Filmen der Retrospektive. Einzelne Passagen, Sequenzen und Filmkader gerinnen in den Gemälden zu Standbildern, zu Augenblicken der Kontemplation. Der äußere Anschein wird hier mit innerem Ausdruck aufgeladen und öffnet neue, faszinierende Perspektiven auf ein Gesamtkunstwerk, das Armin Mueller-Stahl mit Filmen und Bildern geschaffen hat, und das nun im METRO Kinokulturhaus auch in engster räumlicher Verbindung zwischen Kino- und Bilderleinwand gezeigt werden kann.
(Ernst Kieninger)