Nach dem Wirbel um die MELANCHOLIA-Premiere in Cannes war es weniger eine Überraschung, dass Lars von Trier die Welt erneut schockieren würde – die Frage lautete eher: wie? Mit einem vierstündigen Zweiteiler über Sex hatte wohl keiner gerechnet. In NYMPH()MANIAC erzählt Joe Geschichten aus ihrer Intimsphäre, von ihrer Entjungferung durch einen Mechaniker über Erlebnisse bei einer Zugfahrt bis hin zu Sex im Krankenhaus. Die episodenhafte Struktur dieser auf allen Ebenen maßlosen Expedition in Lust, Schuld und Selbstbefragung erlaubt zahlreiche stilistische Brüche und Freiheiten, legt die Spannung zwischen Chaos und Kontrolle frei, und fordert das Publikum einmal mehr dazu heraus, sich ein eigenes Urteil – nicht nur über die Denke des Dänen – zu bilden.
(Florian Widegger)