Fehlschuss
1950er-Jahre, Wiener Vorstadt. In seiner einzigen Filmhauptrolle mimt Wolfgang Ambros einen Fabriksarbeiter, der vom großen Ruhm als Fußballer träumt. Von dessen launischem Überschmäh ist in FEHLSCHUSS aber nichts zu spüren. Ambros bleibt kleinlaut, wortkarg, im besten Sinne bescheiden, so wie diese großartige Wiederentdeckung des heimischen Kinos insgesamt. Zwischen Donauauen und Marchfeld lässt Rainer Boldt das neoveristische Arbeiterkino rot-weiß-rot glimmen und muss sich kein bisschen vor seinen Vorbildern Vittorio De Sica, Ermanno Olmi und Valerio Zurlini verstecken. Herausragend auch die sensible Kameraführung von Xaver Schwarzenberger, der Gramatneusiedl wie die Gärten der Finzi-Contini aufleuchten lässt. Regisseur Rainer Boldt galt in den 1970er-Jahren als einer der jungen Wilden im Wiener Kinoschaffen. Nach aufsehenerregenden, provokanten Werken wie MENSCHENFRESSER und der Hermann-Broch-Verfilmung ESCH ODER DIE ANARCHIE verlegte sich Boldt auf kommerzielle Fernseharbeiten.