Retrospektiven
 

25 Jahre Amour Fou

Eine europäische Filmproduktion

12.11.–2.12.2020

Es ist kein großes Geheimnis, dass runde Jubiläen sich immer besonders dazu eignen, Rückschau zu halten auf das, was geschaffen und geschafft wurde. Auch die Programmarbeit des Filmarchiv Austria verweist so immer wieder auf wesentliche filmhistorische Momente oder herausragende Persönlichkeiten. Produktionsfirmen auf diese Weise zu ehren, ist schon ein eher seltenes Unterfangen, zumal die Amour Fou mit ihren 25 Jahren auch verhältnismäßig jung ist. Blickt man jedoch auf das knapp über 100 Arbeiten umfassende Portfolio (Stand September 2020), so offenbaren sich darin eine besondere Leidenschaft und große künstlerische Visionen, die mit jedem neuen Projekt einen Schritt weiter vorangetrieben werden.

 

Amour-Fou-Produktionen werden mit DIE NACHT DER 1000 STUNDEN und A NAGY FÜZET auch in der Christian Berger gewidmeten Retrospektive sowie mit INVISIBLE SUE – PLÖTZLICH UNSICHTBAR im Rahmen der Kinder Kino Klassiker gezeigt.


25 Jahre Amour Fou

Retrospektive vom 12. November bis 2. Dezember 2020

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Covid-19: Bitte geben Sie bei der Reservierung den gewünschten Sitzplatz an

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Vielleicht ist es gar kein so großer Zufall, dass im vereinten Europa Mitte der 1990er-Jahre zwei aus unterschiedlichen Ländern und Filmbereichen kommende Kreative die Idee haben, gemeinsam eine Produktionsfirma zu gründen: Bady Minck ist zu dieser Zeit bereits eine international erfolgreiche Filmkünstlerin, Alexander Dumreicher-Ivanceanu arbeitet zuvor als Kritiker und Kurator. Zunächst noch ein Verein, der innovative Filme in die Kinos bringen sollte, wird daraus bald eine Firma, die kurze Zeit als Minotaurus Film operiert, bevor »Amour Fou« als Name feststeht. Anfangs ist sie noch hauptsächlich in Luxemburg aktiv, die Wiener Dependance kommt erst zu Beginn der Nullerjahre dazu.

 

Inzwischen ist die Amour Fou im europäischen Kontext ein Player, der – auch im Verbund mit anderen nationalen oder internationalen Produktionsfirmen – künstlerisch herausragende Filme, die vor allem vom Willen zur eigenen Handschrift geprägt sind, mit auf die Welt bringt. Schon die ersten Arbeiten – etwa Virgil Widrichs FAST FILM oder Bady Mincks IM ANFANG WAR DER BLICK – gewinnen Preise auf renommierten Festivals, es folgen nicht minder Aufsehen erregende Filme wie György Pálfis bizarrer TAXIDERMIA oder Anja Salomonowitz’ formal wie inhaltlich radikaler KURZ DAVOR IST ES PASSIERT. Nach internen Umstrukturierungen wird es kurzzeitig etwas ruhiger, bis mit HANNAH ARENDT unter der Regie von Margarethe von Trotta ein prestigeträchtiger Arthouse-Erfolg entsteht. Darauf aufbauend entwickeln sich weitere über Österreichs Grenzen hinaus produzierte Titel wie Michael Sturmingers CASANOVA VARIATIONS oder STYX von Wolfgang Fischer. Mittlerweile hat man auch Europa hinter sich gelassen, was Filme wie YALDA von Massoud Bakhshi oder RED FIELDS von Keren Yedaya beweisen.

 

Neben solchen groß angelegten Projekten haben Minck und Dumreicher-Ivanceanu ihre Wurzeln allerdings nie vergessen: Bis heute bestimmen ambitionierte Genregrenzgänger, die Fragen nach dem Verhältnis zwischen Politik, Gesellschaft und Kunst auf anregende Weise neu zu denken wagen, das Hauptprogramm der Amour Fou. Diese Wege mit jedem Film aufs Neue zu beschreiten, dabei Risiken einzugehen und Herausforderungen nicht zu scheuen – das ist vielleicht jene leidenschaftliche, rasende Liebe zum Kino, die für die Namenswahl der Produktionsfirma maßgeblich war.

 

Die Retrospektive soll nichts weniger als eine Einladung sein, einige Schritte dieses Weges mitzugehen. Bei zahlreichen Vorstellungen werden die FilmemacherInnen ihre Arbeiten vorstellen. Außerdem erscheint ein Sonderheft des ray Filmmagazins, das weitere Einblicke in die Vergangenheit und Zukunft der Amour Fou gibt und im Kino aufliegen wird. (Florian Widegger)

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