Eine Sommernacht in Brüssel. Menschen verlassen Wohnungen, warten vor Haustüren, fallen einander in die Arme oder gehen wortlos auseinander. Die flüchtigen Begegnungen verwebt Akerman zu einer nuancierten Partitur aus Blicken, Gesten, Bewegungen. Dialoge treten dabei in den Hintergrund, stattdessen bestimmen Schritte, Musikfetzen und Geräusche den Rhythmus. Jede Szene scheint immer nur einen einzigen Augenblick festzuhalten – den Moment, in dem Begehren, Hoffnung oder Enttäuschung sichtbar werden. TOUTE UNE NUIT gehört sicherlich zu den sinnlichsten Arbeiten der Regisseurin: ein mosaikartiger, fragmentierter Film über die Choreografie der Gefühle und die Fähigkeit des Kinos, aus kleinen Beobachtungen große Emotionen hervortreten zu lassen.
(Florian Widegger)
Mi 14.10.: Mit einer Einführung von Lien May Lucas