Kurz nach dem Zusammenbruch des Ostblocks reist Chantal Akerman durch die ehemalige DDR, Polen, die Ukraine und Russland. Ohne Kommentar, Interviews oder erklärende Zwischentitel beobachtet sie die Menschen dort beim Arbeiten, Gehen, Warten. Lange Kamerafahrten und Einstellungen machen Landschaften und Gesichter zu gleichwertigen Zeugnissen einer Welt im Umbruch, eingeschrieben in die Körperhaltungen, Blicke und Routinen. D’EST ist ein aufmerksamer, humanistischer Dokumentarfilm, in dem die Geschichte des 20. Jahrhunderts so präsent ist wie die Erinnerung an Krieg und Vertreibung, die Akermans eigenes Werk durchzieht. Also kein Film über Osteuropa, sondern eine Annäherung an einen Raum, dessen Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen offen erscheinen.
(Florian Widegger)