Lidia ist Kind eines dysfunktionalen Haushalts: Der Missbrauch durch ihren Vater führt sie in ein Leben ohne vorbestimmten Weg, auf dem das Leistungsschwimmen zum Anker und das Schreiben zum Medium in den Tiefen ihres Traumas wird. Assoziativ und sprunghaft ist nicht nur ihr von Kontrollverlust und mentalen Krankheiten geprägtes Leben, auch der Film nimmt sich der fragmentierten Wahrnehmung gewaltvoller Erfahrungen an. In Stewarts Regiedebüt verliert Zeit ihren Halt, Erinnerung zersplittert an der Wucht des Erlebten und jede Form narrativer Sicherheit wird suspendiert. THE CHRONOLOGY OF WATER verwandelt Zuschauerschaft in heimliche Zeugenschaft und haucht der autobiografischen Stimme von Yuknavitchs gleichnamigen Roman neues Leben ein.
(Lien May Lucas)