Mit wachsender Obsession malt Roderick Usher auf seinem entlegenen Landsitz das Porträt seiner kranken Frau Madeleine. Je weiter sein Bild Gestalt annimmt, desto mehr scheint ihre Lebenskraft zu schwinden … Jean Epstein verwandelt Edgar Allan Poes Schauerromantik in ein hypnotisches Spiel aus Zeitlupe, Mehrfachbelichtungen, wehenden Stoffen und geisterhaften Bewegungen, das das Kino selbst zur Spukerscheinung werden lässt. Henri Langlois nennt das später die »Rechtfertigung von zehn Jahren filmischer Experimente«, denn Epstein bündelt hier die ganze Kraft der französischen Avantgarde der 1920er. Kurz darauf werden der Tonfilm und neue Produktionsstandards diese Ära beenden, was dem Film umso mehr die Aura als letzten großen (Alb-)Traum des Stummfilms verleiht.
(Florian Widegger)
Mit Live-Musikbegleitung von Elaine Brennan