Tore liebt Margaretella. Und diese Liebe kostet ihn nach und nach alles. Denn seine Angebetete liebt vor allem das Leben selbst: schöne Kleider, Aufmerksamkeit, Luxus eben. Aus einer populären neapolitanischen Liedvorlage entwickelt Elvira Notari, die produktivste italienische Regisseurin der Stummfilmzeit, ein leidenschaftliches Melodram, das zwischen folkloristischem Detail und fast dokumentarischen Straßenszenen erstaunlich modern wirkt. Margaretella ist dabei keine klassische Femme fatale, sondern eine widersprüchliche Figur zwischen Freiheitsdrang und gesellschaftlicher Enge. Wenn es – damals wie heute – die Berufung der Neapolitaner ist, das Leben zu zelebrieren, dann vermittelt der Film das mühelos, selbst wenn die Geschichte längst auf die Katastrophe zusteuert.
(Florian Widegger)