Bis heute besticht Chantal Akermans erster Langspielfilm durch seine filmische wie politische Radikalität in Bezug auf sexuelle Identität/en: In drei Episoden gegliedert sehen wir (tu) zunächst eine junge Frau (je, die Regisseurin selbst) zurückgezogen in einem Zimmer. Sie schreibt Liebesbriefe, die sie wieder zerreißt, löffelt wie eine Maschine Zucker aus einer Tüte. Irgendwann begibt sie sich hinaus in die Welt, wo sie auf einen Fernfahrer (il) trifft, der sie nach schnellem Sex zu ihrer ehemaligen Geliebten (elle) bringt. Beeinflusst von der New Yorker Experimentalfilmszene setzt Akerman ihren Minimalismus mit einer neu entdeckten emotionalen und psychologischen Präzision ein. Ein Meilenstein, gedreht auf 16 mm und innerhalb von wenigen Tagen.
(Florian Widegger)