Arena-Besetzung
Die Besetzung der Wiener Arena im Juni 1976 war der bis dato bedeutendste zivilgesellschaftliche Protest in der österreichischen Geschichte. Bereits 1970 etablierten die Wiener Festwochen die alternative Veranstaltungsschiene Arena, 1975 gastierte man damit erstmals im Auslandsschlachthof St. Marx, der von der Stadt Wien bereits zum Abriss und Verkauf bestimmt war. Nach einem neuerlichen Gastspiel der Wiener Festwochen 1976 besetzten die Besucher:innen ab dem 27. Juni das Areal und forderten statt dem Abriss die Einrichtung eines selbstverwalteten Kulturzentrums. Der Sommer 1976 in der Arena wurde oft als verspätetes »1968er-Ereignis« bezeichnet, Künstler:innen und Intellektuelle entwarfen mit verschiedenen sozialen und kulturellen Projekten eine Stadtutopie, die am 12. Oktober ein jähes Ende fand. Nach der Schleifung des Auslandsschlachthofes fand die Szene im benachbarten Inlandsschlachthof ein neues Quartier, das unter dem Namen Arena bis heute als Kultur- und Veranstaltungszentrum betrieben wird. Helmut Pflügl, ehemaliger Mitarbeiter des Filmarchiv Austria, dokumentierte 1976 mit seiner Super-8-Kamera Impressionen der Arena-Besetzung, die zur Keimzelle einer kulturellen Gegenöffentlichkeit in Wien wurde.