Alltag in Wien
Wer 1946 Wien besuchte, der konnte neben den berühmten Sehenswürdigkeiten auch die noch unmittelbar sichtbaren Kriegszerstörungen in Augenschein nehmen. Am Stephansdom begannen die Reparaturen am Dachstuhl, viele der umliegenden Gebäude lagen in Trümmern. Ein Bild der Verwüstung bot auch der Donaukanal, wo ganze Häuserzüge und Brücken zerstört waren. Mit provisorisch errichteten Feldbahnen, Förderbändern und viel manueller Arbeit wurde der Schutt abtransportiert. Dennoch war schon das Alltagsleben in Wien eingekehrt. Die Teilung der Stadt in vier Besatzungszonen mit den alliierten Soldaten wurde bald ebenso zum vertrauten Anblick wie der Kampf um die Meinungshoheit, den die politischen Parteien über Plakate und Aushänge im öffentlichen Raum austrugen. Das lebendige Wiener Straßenleben mit den stark frequentierten Geschäften, Märkten und Gastronomiebetrieben zeugt ein Jahr nach Kriegsende von einer langsam einkehrenden Normalität.