Der Pfarrer von Kirchfeld
Wer kennt sie nicht – die Vielzahl bäuerlicher Schicksale vor landschaftlich reizvollem Hintergrund, die unter dem Begriff »Heimatfilm« Ablenkung und moralische Erbauung versprechen. Auch 1937, als unabhängige Produzenten und Filmschaffende Österreich bereits verlassen haben, ist eine Anzengruber-Verfilmung eine kalkulierbare Angelegenheit, vor allem, wenn die Regie von Louise und Jakob Fleck übernommen wird, die das bekannte Stück bereits zum dritten Mal auf die Leinwand bringen. Der Film ist ein bemerkenswertes Beispiel für ein letztes Aufbäumen gegen das NS-Diktat. Zugleich war dies die letzte von staatlichen Vorgaben unabhängige Produktion Österreichs vor Hitlers Machtübernahme. Jakob Fleck wurde nach dem »Anschluss« ins KZ verschleppt; Louise gelang es, ihn Ende 1939 freizubekommen und mit ihm nach Shanghai zu fliehen.