Retrospektiven
 

Stefan Zweig

Der Weltautor im Kino

3.12.–23.12.2021

Termine

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Bis heute zählt Stefan Zweig (1881–1942) zu den meistgelesenen deutschsprachigen AutorInnen. Seine Werke haben Grenzen überwunden und Zeiten überdauert, sind in China ebenso populär wie in den USA und natürlich in Europa, für das der erklärte Pazifist in gewissem Sinne ein Vordenker war. Auch im Medium Film hinterlassen Zweigs Novellen bis heute ihre Spuren: Von Brennendes Geheimnis aus dem Jahr 1911, jene Erzählung, die dem jungen Schriftsteller zum Durchbruch verhalf, bis zu seiner berühmten Schachnovelle, die 2021 als Neuadaption ins Kino gekommen ist, reicht die Bandbreite, die diese Schau anhand einer Auswahl von zwölf Filmen abbilden soll.

 

Im Literaturmuseum findet bis 27. Februar 2022 die Ausstellung »Stefan Zweig. Weltautor« statt.


Stefan Zweig – Der Weltautor im Kino

Retrospektive vom 3. bis 23. Dezember

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Einen »Schöpfer ersten Ranges« hat Sigmund Freud Stefan Zweig genannt. Auf jenen Weg ins Unbewusste, den der Vater der Psychoanalyse bereitet hat, macht sich auch der junge Autor. Der dräuende Untergang der Monarchie, des lustfeindlichen Bürgertums auf der einen Seite, technischer Fortschritt und die Bildung neuer gesellschaftlicher Schichten auf der anderen legen den Grundstein für das geistige Klima, das um die Jahrhundertwende im Zentrum Europas herrscht. Zweig, in eine wohlhabende jüdische Textilunternehmerfamilie hineingeboren, verfasst erste Gedichte, ist aber noch voller Selbstzweifel. Erst mit dem Erfolg von Brennendes Geheimnis, der ihm auch bei hochverehrten Dichterkollegen Ansehen einbringt, etabliert er »seinen« Stil. Die Figuren, die das Herzstück seiner Erzählungen ausmachen, sind meist Gefangene ihrer selbst, denen in kurzen Augenblicken trügerisches Glück gewährt wird, das sie jedoch nur weiter in die Isolation und Resignation treibt. Der wachsende Ruhm ruft auch erste Kritiker auf den Plan, die sich nicht nur am Werk, sondern auch an seinem Schöpfer abarbeiten, der sich zeitlebens nicht von politischen Gruppierungen jeglicher Couleur fernhält.

 

Anfang der 1920er-Jahre entstehen die ersten Bearbeitungen fürs Kino, und wieder markiert Brennendes Geheimnisden Beginn mit einer heute verschollenen Verfilmung von Rochus Gliese. 1933 folgt die Adaption von Robert Siodmak, der es beinahe gleich ergeht: Wenige Tage nach Premiere wird der Film von den Nazis wegen der jüdischen Abstammung des Autors und der Anspielungen auf den Reichstagsbrand in Berlin verboten. Zweig befindet sich zu dieser Zeit in Salzburg und wird aus nächster Nähe Zeuge von Hitlers Aufstieg auf der anderen Seite der Grenze, während ihm im eigenen Land Heimwehr und Austrofaschismus zusetzen. 1934 verlässt er Österreich in Richtung London, sechs Jahre später Europa Richtung Südamerika, wo er sich im Februar 1942 im brasilianischen Petrópolis das Leben nimmt.

 

Der vielgereiste »Weltautor«, so der Titel der Ausstellung im Literaturmuseum, inspiriert zu filmischen Adaptionen aus aller Welt. Zweig ist dabei gewissermaßen sein eigener Manager, die Verhandlungen über die Filmrechte laufen über ihn und sind ab 1930 auch in seinem »Hauptbuch«, in dem er sämtliche Geschäfte aufzeichnet, dokumentiert. Ob er die Verfilmungen je auch gesehen hat, ist nicht überliefert. Spannende Möglichkeiten des Vergleichs bietet jedenfalls diese Retrospektive mit zwei BRENNENDEN GEHEIMNISSEN und einem finnischen, US-amerikanischen und chinesischen BRIEF EINER UNBEKANNTEN. Wes Anderson reist im GRAND BUDAPEST HOTEL in eine von Zweig beseelte Vergangenheit und Josef Hader brilliert schließlich in VOR DER MORGENRÖTE in der Rolle des exilierten Autors und Schöpfers eines Werks, das die Welt noch lange sehen wird. (Florian Widegger)

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Stefan Zweig

»Alle die fahlen Rosse der Apokalypse sind durch mein Leben gestürmt, Revolution und Hungersnot, Geldentwertung und Terror, Epidemien und Emigration; ich habe die großen Massenideologien unter meinen Augen wachsen und sich ausbreiten sehen, den Faschismus in Italien, den Nationalsozialismus in Deutschland, den Bolschewismus in Russland und vor allem jene Erzpest, den Nationalismus, der die Blüte unserer europäischen Kultur vergiftet hat.«

Stefan Zweig, Die Welt von Gestern