Retrospective
 

Christian Berger

Vom Zauber des Lichts

5.11.–2.12.2020

Leidenschaft, Widerständigkeit und Beharrlichkeit zeichnen das Schaffen von Christian Berger aus. Angesichts seiner Welterfolge als Kameramann – vor allem in Zusammenarbeit mit Michael Haneke – und seiner lichttechnischen Innovationen scheinen seine eigenen Regiewerke allerdings etwas in den Schatten gerückt zu sein. Dabei sind sie Zeugnis jenes besonderen Aufbruchmoments in der österreichischen Filmgeschichte, in dem sich der Anspruch an professionelle Autorenschaft erstmals einlöst.

 

Das Filmarchiv Austria widmet dem »Rebel with a Camera« eine Hommage, die einlädt, den Zauber des Lichts (neu) zu entdecken. Eine weitere Kameraarbeit von Christian Berger ist mit DIE WAND zudem im Rahmen der Reihe Das Museum geht ins Kino zu sehen.


Christian Berger

Retrospektive vom 5. November bis 2. Dezember 2020

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Covid-19: Bitte geben Sie bei der Reservierung den gewünschten Sitzplatz an

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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»Ich wollte immer, dass der Schauspieler, ein Gesicht oder eine Landschaft leuchtet, nicht die Lampe.«

Christian Berger
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Weil er sich weigert, sein Hemd bei der Matura bis ganz oben zuzuknöpfen, fliegt der heute 75-Jährige damals von der Schule. So eröffnet sich plötzlich ein alternativer Lebensweg und Berger beginnt eine Ausbildung zum Lichttechniker. Als Kameraassistent kehrt er schließlich zurück in seine Heimat Tirol und wird freier Mitarbeiter beim ORF-Landesstudio.

 

In diese Zeit fällt auch seine Begegnung mit dem Universalgenie und Revoluzzer Werner Pirchner, mit dem er die Satire DER UNTERGANG DES ALPENLANDES dreht – eine Abrechnung mit den verkrusteten Strukturen des Landes ebenso wie mit jenen, die sie am Leben erhalten. Natürlich löst der heutige Kultfilm bei seiner Ausstrahlung einen Skandal aus – geschadet hat er den Karrieren der beiden allerdings nicht. Anfang der 1980er-Jahre beginnt Berger als Kameramann an den Sets anderer Regisseure zu arbeiten und legt 1984 mit RAFFL sein Langfilmdebüt vor: ein neuer österreichischer Heimatfilm, geprägt von »Eigensinn seines Themas, Sorgfalt in seiner Bild- und Tonsprache und karger, stiller Schönheit«, heißt es in der Jury-Begründung des Max-Ophüls-Preises.

 

Auch HANNA MONSTER, LIEBLING, sein zweiter Film, den er mit Ehefrau Marika Green in der Hauptrolle dreht, feiert auf der ganzen Welt Erfolge, während er hierzulande auf wenig Gegenliebe stößt. Wie seinen Kollegen Wolfram Paulus (bei dessen NACHSAISON Berger die Kamera führt), Ernst Josef Lauscher, Niki List und Fritz Lehner gelingt es ihm in den 1990er-Jahren immer schwerer, als Regisseur Projekte auf den Weg zu bringen. Sein dritter und letzter Spielfilm MAUTPLATZ erzählt bezeichnenderweise im zusammenwachsenden Europa von den großen, unrealisierten Träumen in der Welt.

 

Doch als Kameramann ist Berger gefragter denn je, was zum einen mit der Resonanz seiner Arbeiten mit Michael Haneke zusammenhängt als auch mit der (konsequenten Weiter-)Entwicklung seines Cine Reflect Lighting Systems, einer Beleuchtungsmethode, die vor allem mit natürlichem Licht und Reflektoren arbeitet: »Ich wollte immer, dass der Schauspieler, ein Gesicht oder eine Landschaft leuchtet, nicht die Lampe.« Ein Anspruch, der Christian Berger nicht nur zahlreiche Auszeichnungen (unter anderem Cinematographer of the Year für DAS WEISSE BAND) einbringt, sondern ihm den Weg bis nach Hollywood ebnet. (Florian Widegger)

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Christian Berger

»Mir ist eine Geschichte, oder besser gesagt, die Absicht, eine Geschichte zu erzählen, genauso wichtig wie einem Schriftsteller – nur: Ich will sie eben mit fotografischen Bildern in einem gewählten Zeitausschnitt und -ablauf erzählen. Das ist Film.«

Christian Berger
Header-Bild: © Christian Berger