Als Schauspieler streitbar, als Mensch daneben – dies ist ausdrücklich keine Würdigung zum 100. Geburtstag der Tobsuchtsmaschine Klaus Kinski, maximal ein Augenzwinkern, das so auch nur in der Wild Friday Night zulässig ist. Geradezu schizophren mimt er in DIE BLAUE HAND eine Doppelrolle: den unschuldig verurteilten Dave, der aus einer Anstalt flieht, und seinen Zwillingsbruder, bei dem er Zuflucht sucht – und eine Mordserie auslöst. In der mit Schmackes inszenierten Geisterbahnfahrt steckt die ganze Bandbreite Kinskis drin – vom cholerischen Ausbruch gleich zu Beginn bis zur arroganten Wurschtigkeit. Im zweiten Film schwingt schon mal die Axt durch die Schlafsäle eines Sanatoriums für bessergestellte Damen, in dem Dr. Kinski ordiniert. Vielleicht wäre er in diesem Feuerwerk verstrahlter Geschmacksverirrung besser als Patient aufgehoben?
(Florian Widegger)