»Der Schlaf der Vernunft gebiert Ungeheuer« – den Titel der berühmten Goya-Zeichnung stellt del Toro seiner FRANKENSTEIN-Verfilmung voran und bringt damit ihre ganze Ambivalenz auf den Punkt: Dieser Schlaf ist nichts anderes als ein Traum – Victor Frankensteins Vorstellung, mit Hilfe der Wissenschaft sogar den Tod zu überwinden. Sein makaber eingerichtetes Laboratorium gleicht einer Kathedrale, sein Wunsch, Leben zu erschaffen, wurzelt in einem großen Verlust, und sein anfänglicher Triumph wandelt sich immer mehr in Hybris. Fast 20 Jahre hat der mexikanische Regisseur dieses Herzensprojekt verfolgt, heraus kam eine bildmächtige, leidenschaftliche Neuinterpretation eines Stoffes, in dem sich die Frage spiegelt, was geschieht, wenn der Mensch seine Grenzen überschreiten will.
(Florian Widegger)