In einem Wiener Kindergarten
Unter dem sozialdemokratischen Stadtrat Julius Tandler etablierte das »Rote Wien« das Modell moderner und sozialer Volkskindergärten, die als ganztägige Betreuungseinrichtungen auch zur Entlastung der berufstätigen Arbeiterschaft dienen sollten. Nach der Machtübernahme des austrofaschistischen Ständestaates 1933 wurden die vormals als sozialreformerische Bildungsinstitutionen verstandenen Kindergärten den ideologischen Zielsetzungen des neuen Regimes unterworfen. Im Vordergrund stand nun die vaterländische und religiöse Erziehung, Sparmaßnahmen führten zur Schließung einiger Kindergärten. Die restriktive Neuorganisation der Bildungseinrichtungen bereitete den Boden für die noch radikalere Gleichschaltung und darauffolgende Enteignung vieler Kindergärten durch die Nationalsozialisten ab dem März 1938. In diesem Beitrag der Ständestaat-Wochenschau ÖSTERREICH IN BILD UND TON wird der Alltag in einem Wiener Kindergarten im Jahr 1935 porträtiert.