Retrospektiven
 

Wolfram Paulus

Filme gegen den Strom

18.3.–29.3.2020

Termine

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MI 18.3. bis SO 22.3.: In Anwesenheit von Wolfram Paulus

Vielleicht ist Wolfram Paulus einer der großen, noch zu entdeckenden Wegbereiter dessen, was man heute als Neuen Österreichischen Film bezeichnet. Mit seinem Regiedebüt HEIDENLÖCHER und auch den nachfolgenden Filmen hat er dem heimischen Kino in den 1980er-Jahren definitiv einen eigenen Stempel aufgesetzt. Paulus ist einer jener Filmemacher, die »zeigen, was sie kennen und lieben«. Nicht umsonst sind viele seiner Filme in und um Salzburg herum entstanden, jener Region, in der er geboren und aufgewachsen ist, bis heute lebt und arbeitet. Es ist längst an der Zeit, die eigensinnigen wie sanften Arbeiten dieses Regisseurs wiederzuentdecken, für den Filmemachen immer ein großes Abenteuer ist. Zwei Kinderfilme von Wolfram Paulus werden auch im Rahmen der Reihe Kinder Kino Klassiker gezeigt.


Wolfram Paulus

Retrospektive vom 18. bis 29. März 2020

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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»Ich nehme mir die Geschichten aus meinem Land
und ich erzähle sie von innen heraus.«

Wolfram Paulus
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Schon in seiner Kindheit ist der 1957 in Großarl im Pongau geborene Paulus fasziniert vom Kino. Mit 15 Jahren beginnt er, angesteckt von seinem filmaffinen Vater, auf Super-8-Kurzfilme zu drehen. Darin geht es um Kindheit, ums Aufwachsen am Land, um die Arbeit der Bergbauern. Man könnte sagen: Themen, die Wolfram Paulus bis heute nicht losgelassen haben. WOCHENEND, sein Abschlussfilm an der Filmakademie in München, verdeutlicht nicht nur sein Interesse an »ländlichen« Stoffen, sondern auch sein Faible für die Arbeit mit Laiendarstellern. Seine Vorbilder sind Pasolini und (der damals bereits aus der Mode gekommene) Robert Bresson, den er noch kennenlernen durfte: »Beobachte, sammle Eindrücke, nimm auf, so viel du kannst!«, gab ihm der französische Meister mit auf den Weg.

 

In den 1980er-Jahren, kurz nach Einrichtung einer öffentlichen Filmförderung, ist das heimische Kino auf der Suche nach einer neuen Identität. Paulus’ Langfilmdebüt HEIDENLÖCHER trifft einen Nerv: karge Schwarz-Weiß-Bilder, sparsamer Dialog, nahezu dokumentarischer Gestus – ein gegen den Strich gebürsteter »Heimatfilm«, der allerdings zum größten Teil mit finanzieller Beteiligung aus Deutschland entsteht. Mit den beiden nachfolgenden Filmen NACHSAISON und DIE MINISTRANTEN komplettiert er seine »Salzburger Trilogie«, die seitdem zum Kanon der jüngeren österreichischen Filmgeschichte gehört. Letzterer offenbart eine weitere, wesentliche Seite im Schaffen des Autors, Cutters und Regisseurs Wolfram Paulus, nämlich Geschichten mit und aus der Sicht von Kindern zu zeigen. Für nicht wenige von ihnen stellt die Arbeit mit Paulus den Karrierestart vor der Kamera dar, für ihn ergibt sich umgekehrt die Möglichkeit, Geschichten aus einem neuen Blickwinkel zu erzählen. Oft lässt er dabei eigene Erfahrungen (etwa in RENNLAUF) bzw. die Biografien seiner Darsteller (z. B. seines Bruders Albert in NACHSAISON) in seine Filme einfließen.

 

In den 1990er-Jahren ist Paulus immer noch viel beschäftigt und dreht jedes Jahr einen Film. Doch scheint es, als hätten sowohl sein Wechsel zum Fernsehen, wo er regelmäßig mit Erfolg Stoffe unterbringt, und seine Festlegung als Kinderfilmregisseur (zwei Filme werden auch im Rahmen der Reihe Kinder Kino Klassiker gezeigt) es ihm im regulären Kinobetrieb schwer gemacht. Man sollte sich allerdings nicht täuschen lassen: denn bis heute haben seine Arbeiten an Energie, Witz und Risikobereitschaft sogar noch gewonnen. Sein bis dato letztes Projekt HELDENZEITREISE, das im Rahmen dieser Retrospektive erstmals in Wien präsentiert wird, ist dafür ein leuchtendes Beispiel. (Florian Widegger)

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Wolfram Paulus

»Was ich wirklich will mit meinen Filmen:
Meine Welt, in der ich lebe, anschauen und auf der Ebene des Films wiedergeben.
Mehr ist es nicht.«

Wolfram Paulus