Retrospektiven
 

NIKOLAUS GEYRHALTER

5.4.–21.4.2019

»Ein Kino zum Zuschauen und Fallenlassen.« So beschreibt der Text im Programmheft der Diagonale 1994 Nikolaus Geyrhalters ersten Langfilm ANGESCHWEMMT und bringt dabei schon eine der bis heute gültigen und wesentlichen Säulen im Geyrhalterschen Œuvre auf den Punkt. Inzwischen zählt der Autodidakt zu den profiliertesten Dokumentaristen und Filmproduzenten des Landes: In faszinierenden Bilderreisen führt er an die entlegensten Orte der Welt, doch sein unbeirrbarer Blick fürs Detail durchforscht auch die unbekannten, mitunter verdrängten Seiten der unmittelbaren alltäglichen Umgebung. Zum kommenden Kinostart von ERDE am 17. Mai widmet das Filmarchiv Austria dem Filmemacher eine umfassende Werkschau.


Nikolaus Geyrhalter

Retrospektive vom 5. bis 21. April 2019

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 15:00-21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Nikolaus Geyrhalter, 1972 in Wien geboren, macht seit etwas mehr als einem Vierteljahrhundert Filme. Sein Debüt ANGESCHWEMMT dreht er als Autodidakt und gründet dazu auch gleich seine eigene Produktionsfirma. Dank dieser kann er nicht nur mehr oder weniger unbehelligt arbeiten, sondern ermöglicht inzwischen auch zahlreiche Projekte anderer FilmemacherInnen, die national wie international reüssieren, wie zuletzt etwa L’ANIMALE von Katharina Mückstein oder LICHT von Barbara Albert.

 

Von ANGESCHWEMMT bis hin zu seiner neuesten Arbeit ERDE hat Geyrhalter – allein oder mit einem kleinen Kernteam – einen im wahrsten Sinne des Wortes weiten Weg zurückgelegt. Dieser führt ihn schon in den nächsten drei Filmen aus den Donauauen an den kriegsgebeutelten Balkan (DAS JAHR NACH DAYTON), ins verseuchte Gebiet rund um den Atomreaktor Tschernobyl (PRIPYAT) und zu Beginn des Jahrtausends quer über den Globus an entlegene Orte (ELSEWHERE). Immer wieder kreisen Geyrhalters Filme dabei um die Frage, was es mit dem Menschen auf sich hat, welche Spuren er hinterlässt und wie er sich zu seiner Umwelt verhält – oder verhalten soll. Besonderes Anschauungsmaterial dafür findet sich in Filmen wie UNSER TÄGLICH BROT, der an die Stätten industrieller Nahrungsmittelherstellung führt, ABENDLAND, einem betörenden Essay über den Kontinent Europa bei Nacht, oder HOMO SAPIENS, der ein mögliches Nach-uns zeigt. In seinen groß angelegten Bildersuchen hat er seinen Radius stets erweitert, inzwischen aber auch wieder zurück nach Österreich gefunden, wo er in seiner Langzeitstudie ÜBER DIE JAHRE die Arbeiter einer Textilfabrik begleitet oder an der Tiroler Grenze Land und Leute beobachtet, die mit einer BAULICHEN MASSNAHME konfrontiert sind.

 

Formale Merkmale in Geyrhalters Arbeiten, der in all seinen Filmen stets selbst die Kamera führt, sind lange Einstellungen, starre Totalen oder ruhige Bewegungen, jedenfalls sorgfältig und bis ins letzte Detail komponierte Bilder und eine nicht minder ausgefeilte Tonebene, bei der die Geräuschkulisse zum Kommentar und Soundtrack gleichermaßen wird. Ihren über die bloße Erfahrung hinausgehenden »Sinn« erhalten diese teils gewaltigen Bild- und Tonreigen dann im Schnitt (häufig: Wolfgang Widerhofer), wo das Material in präziser Kleinarbeit zu großen Erzählungen und Zustandsberichten geformt und geschärft wird. Auch den Drehs gehen jahrelange und intensive Recherchen voraus: »Als Dokumentarist stoße ich auf Orte und Systeme, die könnte ich mir gar nicht ausdenken, wenn ich sie nicht finden würde.« (Florian Widegger)

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»Als Dokumentarist stoße ich auf Orte und Systeme, die könnte ich mir gar nicht ausdenken, wenn ich sie nicht finden würde.«

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