Retrospektiven
 

JOHANNES MARIO SIMMEL

UND DAS KINO

17.1.–5.2.2019

DO 17.1., 19:00: Eröffnung der Retrospektive mit Diskussion im Literaturmuseum, anschließend Filmvorführung im METRO Kinokulturhaus

Kaum einer, der in einem Haushalt der 1970er- oder 80er-Jahre aufgewachsen ist, kennt sie nicht: jene Wälzer im Bücherregal, auf denen in prägnanten Schriftzügen nicht minder prägnante Titel wie Liebe ist nur ein Wort, Hurra, wir leben noch oder Es muss nicht immer Kaviar sein prangen. Ihr Autor zählt zu den erfolgreichsten deutschsprachigen Schriftstellern der Nachkriegszeit. Seine Bücher erreichten Auflagen in Millionenhöhe, ihre Titel sind oft zu geflügelten Wörtern geworden.

 

Anlässlich des zehnten Todestags von Johannes Mario Simmel zeigt die Retrospektive unterschiedlichste Facetten der filmischen Bearbeitung seines literarischen Schaffens.

 

Zur Eröffnung am 17.1. diskutieren um 19:00 im Literaturmuseum bei freiem Eintritt Literaturwissenschaftler Michael Rohrwasser, Filmhistoriker Christoph Huber und Kurator Florian Widegger über Bedeutung und Wirkung von Johannes Mario Simmel.


Johannes Mario Simmel

Retrospektive vom 17. Jänner bis 5. Februar 2019

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 15:00-21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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1924 in Wien geboren, beginnt der gelernte Chemiker Johannes Mario Simmel nach dem Zweiten Weltkrieg als Journalist und Übersetzer zu arbeiten, ab Anfang der 1950er wird er auch als Drehbuchautor aktiv (u. a. schreibt er bei Emile E. Reinerts ABENTEUER IN WIEN mit). Seine Fähigkeiten als Reporter und sein untrügliches Gespür für Themen und Menschen ebnen dem Workaholic in den folgenden Jahren den Weg. Mit dem bombastischen Erfolg des Kaviar-Buchs 1960, das sogleich verfilmt wird, beginnt Simmels Karriere als Romanautor.

 

Anhand dieses Buches lassen sich einige inhaltliche wie stilistische Merkmale Simmels erfassen: Die Hauptfiguren sind meist männlich, gut situiert, haben ihr Herz am rechten Fleck und sind trotzdem nie um einen Trick verlegen, wenn es darum geht, Eigeninteressen durchzusetzen. Oft sind es äußere Umstände, die ihr Leben durcheinanderwirbeln – und immer verlieben sie sich in schöne Frauen. Die Verbindung von schicksalshaftem Weltgeschehen und Herzschmerz, von Leid und Liebe, von Aufklärung und Romantik – Simmel gelingt sie mühelos. Das macht seine Bücher zwar zugänglich, die seriöse Literaturkritik schmähte sie aber fast bis zum Schluss: Erst in seinen letzten Lebensjahren konnte der zu Jahresbeginn 2009 verstorbene Autor jene für sich gewinnen, die ihn als Trivialautor und Fließbandschreiber abgestempelt hatten.

 

Anders als seine Kollegen Heinz G. Konsalik oder Herbert Reinecker streift der Sohn eines jüdischen Vaters zu keiner Zeit seines Lebens am Nationalsozialismus an. Im Gegenteil: Insbesondere das Wiedererstarken von nazistischen Bewegungen ist ihm ein Gräuel. Den Kampf gegen rechte Ideologien führt Simmel nicht nur mit mahnenden Worten. Obwohl er inzwischen in der Schweiz lebt, verfolgt er die heimische Politik genau und legt sich in hohem Alter noch öffentlichkeitswirksam und vor Gericht mit Jörg Haider an.

 

Die Auswahl von 17 Filmen anlässlich des zehnten Todestags von Johannes Mario Simmel bildet die unterschiedlichsten Facetten der filmischen Bearbeitung seines Schaffens ab: von seinen frühen Drehbucharbeiten über die ersten erfolgreichen Romanverfilmungen Anfang der 1960er hin zur Simmel-Welle – ausgelöst durch die Reihe an Adaptionen, die Anfang der 1970er-Jahre durch Produzent Luggi Waldleitner und seine Roxy-Film in die Kinos kamen –bis schließlich zu deren Ausläufern in den 80ern. Ein tiefer Einblick in vier Jahrzehnte populäre Kino- und Literaturgeschichte. (Florian Widegger)

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