Retrospektiven
 

KARL FREUND

Bewegung, Schatten und Licht

17.4.–28.4.2019

Er gilt als einer der bedeutendsten Kameramänner der Kino-Frühzeit – und weit darüber hinaus. Karl Freund, 1890 in Böhmen geboren, ist bereits in seiner Jugend von den Möglichkeiten des neuen Mediums Film begeistert und beginnt seine Karriere als Vorführer. Die Faszination an jenen Bildern, die er auf die Leinwand projiziert, lässt ihn wohl hinter die Kamera wechseln. Bei an die 120 Produktionen zeichnet Freund für die Bildgestaltung verantwortlich, zunächst in der Blütephase des deutschen Stummfilms, später in Hollywood. Anlässlich seines 50. Todestages präsentiert das Filmarchiv Austria eine kleine Auswahl aus dem Schaffen Karl Freunds, dem auch das Filmfrühstück gewidmet ist.


Karl Freund

Retrospektive vom 17. bis 28. April

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 15:00-21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Bereits in den 1910er-Jahren ist Karl Freund ein vielbeschäftigter Kameramann und dreht mit Größen wie den Stummfilmdiven Asta Nielsen und Henny Porten bzw. den Regisseuren Robert Wiene, Richard Oswald – und Fritz Lang. 1919 macht Freund sich selbstständig, wenig später besitzt er sogar ein eigenes Kopierwerk. In diese Zeit fällt auch seine Zusammenarbeit mit Friedrich Wilhelm Murnau. In DER LETZTE MANN (1924) etabliert er die Methode der »entfesselten Kamera« – für damalige Verhältnisse äußerst bewegliche Aufnahmen, die ohne Stativ hergestellt werden. Dafür lässt er sich die Kamera auf den Bauch binden, sie durch die Luft wirbeln oder auf eigens konstruierten kleinen Wägen durch die Szene brausen. Schon in der Anfangsszene von Murnaus Meisterwerk, in der die Kamera durch einen gläsernen Aufzug hindurch filmt, lässt sich erahnen, welche enormen Möglichkeiten im bis dahin recht statischen Stummfilmkino liegen.

 

Auf diesem Niveau macht Freund als Innovator der Filmsprache weiter und arbeitet etwa am visionären Monument des Weimarer Kinos, METROPOLIS (1927), oder als Leiter der Europaabteilung der Fox Film Corporation, bevor ihn der Ruf nach Hollywood ereilt. Dort ist er nicht nur weiter ein gefragter Kameramann, sondern auch kurzzeitig ein versierter Regisseur bei den Universal Studios, wie sein in vielerlei Hinsicht an die Glanzzeit des deutschen Expressionismus erinnerndes Debüt THE MUMMY (1932) beweist. Außerdem arbeitet der stets an technischen Neuerungen interessierte Freund unter anderem an Experimenten auf dem Gebiet des Farbfilms. 1937 erhält er einen Oscar für seine Kamera in Sidney Franklins THE GOOD EARTH, später dreht er noch bei MGM und Warner Bros. mit Regielegenden wie Fred Zinnemann, Vincente Minnelli oder John Huston.

 

Dass die Autorität der Kameramänner im Lauf der Jahre immer geringer wurde, da zahlreiche technische Aspekte in die Nachbearbeitung geflossen sind, scheint Freund gestört zu haben, ebenso wie das Breitbandformat, das er, wie er in einem 1958 entstandenen Interview für den ORF erzählt, als Hemmschuh für die fotografisch-künstlerische Entwicklung sieht. Dies mögen Gründe dafür gewesen sein, dass er Anfang der 1950er-Jahre ins Fernsehen wechselt, wo er unter anderem etwa 400 Episoden der erfolgreichen Live-Sitcom I LOVE LUCY dreht. Anfang der 60er zieht sich Freund auf seine Ranch zurück, wo er am 3. Mai 1969 stirbt: unbestritten als einer der großen Pioniere auf dem Gebiet der Kameraführung. (Florian Widegger)

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