Retrospektiven
 

Prager Schule & Balkantango

Zwei Filmkulturen – ein Vergleich

6.9.–3.10.2022

Paskaljević, Marković, Karanović, Zafranović, Grlić: Fünf zogen in den 1960er-Jahren aus, um in Prag an der berühmten Filmhochschule FAMU Regie zu studieren. Sie trafen dort auch auf die jungen Regiestars der damaligen Tschechoslowakei und deren Meisterwerke der Neuen Welle, die später ihre eigenen Arbeiten beflügelte. Als wichtigste Inspirationsquelle erwies sich dabei der subversive Humor ihrer Vorbilder, denn er dient als elementares Bindemittel zur Weitergabe des Feuers zwischen nationalen Kinematografien durch Transformation und Anpassung an die lokalen Besonderheiten. Zehn Filmpaare mit jeweils ähnlichen Themen bieten dem Publikum einen amüsanten und spannenden Vergleich zwischen den beiden Filmkulturen.

 

Die Retrospektive findet in enger Kooperation mit dem Národní Filmový Archív Praha, der Jugoslovenska Kinoteka Beograd und dem Hrvatski Državni Arhiv – Hrvatska Kinoteka Zagreb statt.


Prager Schule & Balkantango

Retrospektive vom 6. September bis 3. Oktober 2022

Kuratoren

Helmut Pflügl, Duško Dimitrovski

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Fünf Studenten aus dem heutigen Ex-Jugoslawien, die Filmregisseure werden wollten, wagten Mitte der 1960erJahre den Aufbruch in Richtung Prag, dem Morgenstern der FAMU folgend, der in jenen Jahren der Ruf vorauseilte, eine der besten Filmhochschulen weltweit zu sein. Auf dem Gebiet der Filmkunst hatte sich der nach dem Zweiten Weltkrieg gegründete Bundesstaat Jugoslawien bereits in den 1960er-Jahren internationales Ansehen erworben, doch der krasse, von einer pessimistischen Sichtweise inspirierte Realismus mancher Filme der »Schwarzen Welle« führte nach Meinung von Goran Paskaljević, der Galionsfigur der vom tschechischen Virus befallenen FAMUStudenten, in eine künstlerische Sackgasse, weil es ihren Filmen an etwas Wesentlichem mangelte: »Der kritischen Schwarzen Welle in unserem Land fehlte es an Humor. Aber in meiner Belgrader Heimat konnte man im Alltagsleben Humor vorfinden, und so wurde er zum permanenten Bestandteil meiner Filme. Sie waren schwarz, aber mit einer Prise tschechischen Humors versetzt.«

 

Die Eleven aus Belgrad und Zagreb erlernten in den Meisterklassen der FAMU nicht nur das Regiehandwerk, sie suchten und fanden in Prag auch die Inspiration für ihre spätere Arbeit durch den authentischen Kontakt mit der jungen Regiegarde der Tschechen und deren Werke, die, dank der liberalen Kulturpolitik des Dubček-Regimes, gerade die Leinwände der Festivals und der heimischen Kinos eroberten. Forman & Co, alle selbst Absolventen der FAMU, präsentierten ihre Meisterwerke, die sämtliche Vorzüge und Charakteristika der tschechischen Filmkunst enthalten: Eine detailgetreue, oft poetisierende Beobachtung des Alltags, die Authentizität lebensnaher Figuren, die ohne Scheu ihre Gesichter aus dem Volk fern jeden Schönheitsideals zur Schau stellen, was sich, wie in Formans 1967 gedrehtem FEUERWEHRBALL, zur grotesken Farce steigert. Und über allem schwebt der subversive Humor in sämtlichen Facetten.

 

Er bildet den Kern der Idee zum Konzept dieser Filmschau: In zehn Beispielen werden je ein tschechischer und ein jugoslawischer Film paarweise vorgestellt, die verwandte Themen behandeln. Sie sollen zeigen, wie sehr die Werke der Tschechen das Filmschaffen Jugoslawiens beeinflusst haben, wobei der Humor eine tragende Rolle spielt – entweder trocken ironisch oder grotesk und absurd bis hin zu pechschwarzen Befunden menschlicher Existenz. (Helmut Pflügl, Duško Dimitrovski)

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