Retrospective
 

Houchang Allahyari

Zum 80. Geburtstag

16.9.–13.10.2021

»Houchang Allahyari verkörpert meine Vorstellungen vom orientalischen Ideal, bei dem Familie und Individuum, Tradition und Weltoffenheit, Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze bilden, sondern eine elastische Einheit sind«, so Schauspieler und Regiekollege Karl Markovics anlässlich der Verleihung des Goldenen Verdienstzeichens der Stadt Wien im Jahr 2012.

 

1941 in Teheran geboren, kommt Allahyari als junger Mann nach Österreich, um Medizin zu studieren und Filme zu machen. Seit Mitte der 1980er-Jahre entsteht so – aus unermüdlichem Schaffensdrang heraus und oft unabhängig produziert – ein ansehnliches Werk, in dem er sich selten um Publikumserwartungen sorgt. Vielmehr ist seine filmische Arbeit eng mit der des Psychiaters verbunden und rückt vermeintliche Außenseiter mit Blick auf die Gesamtheit von Gesellschaft, System und Kultur ins Bild: Reisen zum Mittelpunkt des Menschseins.

 

Im Rahmen der ursprünglich für Februar geplanten Retrospektive wird auch der aktuelle Kinostart GOLI JAN gezeigt.


Houchang Allahyari

Retrospektive vom 16. September bis 13. Oktober 2021

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Covid-19

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Seine Heimat gilt gemeinhin als »Wiege der Medizin«, und so sieht der gebürtige Teheraner, wie viele seiner Landsleute, auch seine Berufung auf diesem Gebiet und wird Arzt, konkret: Psychiater. Noch während er an verschiedenen Kliniken und vor allem in Strafanstalten wirkt, reift in ihm der Wunsch, Filme zu machen. Auf für damalige Verhältnisse extrem innovative Art und Weise verbindet er schließlich beide Bereiche in einem Therapieansatz und gründet mit seinen Schützlingen eine Filmgruppe. Erlebnisse und Erfahrungen aus dieser Zeit lässt Allahyari bis heute in seine Filme einfließen: Immer wieder erzählt er von zerbrechlichen Außenseitern, die in jungen Jahren völlig unvorbereitet mit einem System konfrontiert werden, das sich aus Brutalität und Repressionen speist, und die so buchstäblich durch den FLEISCHWOLF gedreht werden.

 

Da ist er seinem Vorbild Pier Paolo Pasolini, mit dessen Leben und Sterben er sich bereits in seinem ersten Langfilm auseinandersetzt und auf dessen Schaffen er immer wieder Bezug nimmt, nicht unähnlich. Houchang Allahyari ist bis heute aber Optimist. Der Gewalt gegen die Schwachen setzt er das unerschütterlich Gute entgegen: Sie sind nicht alleine auf dieser Welt, weil es Menschen gibt, denen ihr Schicksal nicht gleichgültig ist, denen Eitelkeit oder Egoismus fremd sind. Das prominenteste Beispiel in doppeltem Sinne ist sicherlich die 2018 verstorbene Wiener Flüchtlingshelferin Ute Bock. Allahyari, mit ihr auch familiär verbunden, widmet sich in drei Filmen der resoluten Kämpferin für Zivilcourage und Solidarität.

 

In den letzten Jahren hat Allahyari nach langer Zeit seine erste Heimat wieder besucht und sie auch filmisch auf unterschiedlichste Weise erkundet. Ob in Spiel- oder Dokumentarfilmen – immer wieder weicht er Genregrenzen auf und überwindet sie. So wird aus den letzten Arbeiten aus dem Iran eine sehr persönliche Auseinandersetzung mit den Erinnerungen an Herkunft und Kindheit, eine Spurensuche nach der Liebe und – im Kinostart GOLI JAN – ein bedrückend aktuelles Drama um die Selbstbestimmtheit einer jungen Frau in einem radikal-muslimischen Umfeld. Das sind Stoffe, die aus ihm selbst kommen, die er in kleinen Teams und außerhalb des großen Förderzirkus, aber mit umso mehr Engagement realisiert. Houchang Allahyari mag inzwischen 80 Jahre alt sein – er filmt noch immer wie ein Junger! (Florian Widegger)

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»Houchang Allahyari verkörpert meine Vorstellungen vom orientalischen Ideal, bei dem Familie und Individuum, Tradition und Weltoffenheit, Glaube und Wissenschaft keine Gegensätze bilden, sondern eine elastische Einheit sind.«

Karl Markovics

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