Retrospective
 

Peter Handke

Filmarbeiten

6.12.–23.12.2019

»Von dem, was die anderen nicht von mir wissen, lebe ich«, von dem, was er sie wissen lässt, die Medien. Überraschung und Aufregung waren groß, als der Literaturnobelpreisträger 2019 bekannt gegeben wurde. Peter Handke hatte in dieser Form wohl kaum mehr einer auf der Rechnung. All seinen literarischen Verdiensten zum Trotz – zu sehr im Abseits wähnte man ihn angesichts seiner politisch zumindest diskutablen Äußerungen und Positionen zu den Kriegen am Balkan.

 

Das Filmarchiv Austria gratuliert dem streitbaren Autor, der auch im Kino seine Spuren hinterlassen hat, mit einer umfassenden Schau zu seinen wesentlichen Arbeiten, die ab Ende der 1960er-Jahre entstanden sind.


Peter Handke

Retrospektive vom 6. bis 23. Dezember 2019

Kurator

Ernst Kieninger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00-21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Peter Handke und das Filmarchiv Austria verbindet eine besondere Beziehung. Nach einer ersten Retrospektive im Dezember 2007 eröffnete das neue METRO Kinokulturhaus im Oktober 2014 mit einer Schau, die Handkes eigenes Verhältnis zum Medium Film und seine Liebe zum Kino reflektierte. Der Literat als Moviegoer, sozusagen. Dass dieser Literat im Kino nicht nur als Drehbuchautor für einige wegweisende Filme seines Freundes Wim Wenders verantwortlich war, sondern auch selbst immer wieder eigene wie fremde Stoffe inszeniert hat, ruft dieses Programm nun in Erinnerung.

 

Was im breit gefächerten Schaffen des 1942 im kärntnerischen Griffen geborenen Künstlers auffällt, von seinem ersten Roman Die Hornissen (1966) bis hin zu seinen Dramen, Drehbüchern und Regiearbeiten, ist die besondere Bedeutung der Sprache. Während der Homo politicus Handke häufig – und gerade in letzter Zeit – als konfliktfreudiger, manchmal auch lautstarker Sprachjongleur auftritt, besticht sein Œuvre durch ruhige, leise Töne. Unablässig erforscht er darin menschliche Wahrnehmung, ergründet Bewusstseinszustände und Empfindungsmöglichkeiten und sucht so, in seinen Figuren wie in seinen Lesern, Denk- und Gefühlsprozesse auszulösen. In seinem Band Gestern unterwegs. Aufzeichnungen November 1987 bis Juli 1990 schreibt er: »Das Poetische kommt einfach: aus einem genaueren, inständigeren Hören (Hinhören), einem genaueren, erwartungsvollen, geduldigen Schauen (Hinschauen), aus einem Spüren, einem Aufspüren, aus einem Auf-sich-übergehen-Lassen – etwa jetzt des Schütterns der Moorerde, des Moorgrunds unter mir, als gerade der Traktor auf der Straße vorbeifuhr.«

 

Die Faszination des Kinos wohnt auch Handkes Werk inne: Etwa, wenn seine Protagonisten die Namen von Schauspielern tragen, oder häufig selbst ins Kino gehen wie in Wim Wenders’ Langfilmdebüt der Tormann Josef, der von einem Italowestern in den nächsten Howard-Hawks-Film wechselt. Mit Wenders, den er 1966 nach einer Aufführung seiner Publikumsbeschimpfung in Oberhausen kennenlernt, verbindet ihn seither eine intensive Freundschaft – zusammen drehen sie den Kurzfilm 3 AMERIKANISCHE LPS, der auf besondere Weise die wesentlichen Themen und Interessen der beiden Künstler auf die Leinwand bringt. Nach seinem eigenen Langfilmdebüt wird es um Handke als Regisseur wieder einige Jahre ruhiger, bis er es 1978 mit seiner Romanverfilmung DIE LINKSHÄNDIGE FRAU sogar in den Wettbewerb von Cannes schafft. Seitdem hat Handke noch zwei weitere Male auf dem Regiestuhl Platz genommen und in jeweils eigenwilliger Weise seinen Blick auf die Welt in Kinobilder übersetzt, die es nun wieder zu entdecken gilt. (Florian Widegger)

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