Retrospective
 

Margareta Heinrich

Kämpferin mit Kamera

Online 5.2.–18.3.2021

2021 hätte Margareta Heinrich ihren 70. Geburtstag gefeiert. Und erlebt, dass der Kampf um die Gleichberechtigung der Frauen in einigen Bereichen erhebliche Fortschritte gemacht hat, in anderen stagniert, in wieder anderen grobe Rückschläge hinnehmen muss. Unermüdlich hat sie diesen Kampf immer wieder geführt, ihm ihr Leben und Schaffen gewidmet – beides untrennbar miteinander verbunden.

 

Mit ihrem Tod Ende Februar 1994 geriet ihre Arbeit weitgehend in Vergessenheit, auch wenn vor allem ihr letzter Film TOTSCHWEIGEN ihr posthum einige Lorbeeren einbrachte. Die Retrospektive lädt dazu ein, ihr Werk neu zu entdecken.

 

Der Filmemacherin ist auch die erste Ausgabe der Edition Taschenkino gewidmet, die neben einem Essay von Vrääth Öhner Interviews mit Weggefährtinnen sowie eine DVD mit den Filmen TOTSCHWEIGEN und GENOSSINNEN enthält.


Margareta Heinrich

Online-Retrospektive vom 5. Februar bis 18. März

Kurator

Florian Widegger

Programm

5. bis 11. Februar
GENOSSINNEN (Margareta Heinrich/Ullabritt Horn, BRD/A/GB 1983)

12. bis 18. Februar
LA ESPERANZA (Margareta Heinrich/Alexander Held/Irmgard Henrich, A 1980)

19. bis 15. Februar
DER TRAUM DES SANDINO (Margareta Heinrich/Rudi Palla, A 1981)

26. Februar bis 4. März
NO PASARAN (Margareta Heinrich/Rolf Oerter, A 1984)

5. bis 11. März
IS THE DEVIL REALLY A CHILD? (Margareta Heinrich/Margit Niederhuber, A 1990)

12. bis 18. März
TOTSCHWEIGEN (Margareta Heinrich/Eduard Erne, A 1994)

Publikation

Taschenkino #1
Margareta Heinrich

von Vrääth Öhner

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Über Kindheit und Jugend der 1951 im Burgenland geborenen Margareta Heinrich ist nur wenig bekannt, ins Kino soll sie schon damals sehr oft gegangen sein. Als sie mit 19 Jahren nach Wien kommt, arbeitet sie zunächst als Büroangestellte. Erst über ihren damaligen Lebensgefährten, der ihr den Umgang mit einer 16mm-Kamera näherbringt, rutscht sie in die Filmbranche. Sie beginnt ein Volontariat bei einer Produktionsfirma, arbeitet als Assistentin und schreibt sich 1975 an der Filmakademie im Fach Regie ein, als Einzige des Jahrgangs und als eine der Ersten überhaupt. Dort unterrichten ausschließlich Männer. Schon aus der Notwendigkeit, sich behaupten zu müssen, wachsen Margareta Heinrichs Durchsetzungskraft, Stehvermögen und Beharrlichkeit, die auch ihre Arbeiten auszeichnen. Bereits für ihre ersten Kurzfilme, etwa die Ingeborg-Bachmann-Adaption ZWIELICHT, muss sie kämpfen und erntet Ablehnung von jenen, die sie beurteilen, aber Anerkennung auf Festivals und in den Filmclubs, in denen er aufgeführt wird.

 

In den 1970er-Jahren beginnt langsam, aber sicher der Wind des Widerstands und der Veränderung innerhalb der Gesellschaft zu wehen, es entsteht die Aktion Unabhängiger Frauen (AUF) und, auf die Filmlandschaft gemünzt, die Aktion Filmfrauen, bei der Margareta Heinrich federführend dabei ist: »Ich glaube schon, dass man generell als Frau sehr gut sein muss, um die gleichen Bedingungen zu bekommen wie ein Mann. Man muss viel besser sein.« Ihre Filme verhandeln nicht nur – mal auf spielerische, mal auf ernsthafte Weise – weibliche Rollenbilder, sie erzählen immer auch davon, dass Frauen besonders stark sind, wenn sie zusammenhalten.

 

Sie ergreift dabei stets Partei für die Schwachen und Unterdrückten, was ihr den Vorwurf einbringt, nicht objektiv zu sein. Als sie Ende der 1970er-Jahre vom Umsturz in Nicaragua erfährt, reist sie mehrfach nach Mittelamerika, um den Neuanfang in einem Land zu dokumentieren, das vier Jahrzehnte lang von einem Diktator missbraucht wurde. Sogar zur parlamentarischen Anfrage seitens der ÖVP bringen es ihre Nicaragua-Filme. Ab Mitte der 1980er-Jahre realisiert sie einige Arbeiten für den ORF, in denen sie sich etwa mit dem Schlankheitswahn auseinandersetzt. Für ihren letzten Film begibt sie, die die Kontinente mit ihrer Kamera bereist hat, sich in die Heimat: Auf Spurensuche nach einem Massengrab aus den letzten Kriegstagen – eine Suche nach ihrer eigenen Identität, vielleicht. Zuhause wie in der Fremde sind Solidarität, Hinschauen und den Mund aufzumachen ihre obersten Gebote. (Florian Widegger)

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