DUNKLES WIEN

Online-Retrospektive

8.5.–4.6.2020

Nach dem Programm »Stunde Null« laden wir Sie im Mai auf einen Streifzug durch die düstere, gefährliche und verbrecherische Seite unserer Hauptstadt ein – mit einer Auswahl von fünf Filmen aus den 50er und 60er Jahren. Die einschneidenden Erfahrungen, Lehren und Folgen des Zweiten Weltkriegs machen aus dem einst walzerseligen Wien (zumindest im Kino) einen Umschlagplatz von Intrigen und Verbrechen. Allen Genre-Mustern zum Trotze spiegelt sich in diesen Filmen aber auch die Lebensrealität der Menschen in dieser Zeit wieder: Noir trifft auf Neorealismus, Spionagegeschichten auf Kolportage, Krimi auf Reißer. Sie werfen Blicke in schattige Hinterhöfe und kaum beleuchtete Gassen. Dort begegnen ihnen Jugendliche in Not, Taxler in „Identitätskrisen“, grantelnde Gendarmen und teuflische Triebmörder. Haben Sie Wien schon bei Nacht gesehen? Selbst wenn ja: SO haben Sie es noch nie gesehen!


Dunkles Wien

Online-Retrospektive
8. Mai bis 4. Juni 2020

Kurator

Florian Widegger

ABENTEUER IN WIEN

Regie: Emile Adwin Reinert
A 1952

Ein kleines, heute fast vergessenes Meisterwerk des Film noir: Ungewohnt düster präsentiert es den Schauplatz Wien – ungemütlich, mit schrägen Treppenhäusern, Durchgängen und vom Verkehr überrollten Gassen.
Auch die Menschen passen nicht so recht in das Wienbildklischee: Sie sind gebrochene, entwurzelte Charaktere auf der Flucht vor der Vergangenheit in eine erhoffte bessere Zukunft.


Online von 8.5. bis 14.5.

ASPHALT

Regie: Harald Röbbeling
A 1951

ASPHALT beschreibt die Schicksale von fünf Jugendlichen, nach Wiener Polizeiakten aus der Nachkriegszeit: Drei leichtsinnige Mädchen geraten auf die schiefe Bahn, ein Bursche wird zum Dieb, ein anderer zum Mörder. Ein „gefallenes“ Mädchen beschließt, nachdem es als Tänzerin in einer Bar enttäuscht wurde, ihren Körper zu verkaufen. Der Schauplatz der fünf Episoden ist die Straße.

 

Online von 15.5. bis 21.5.

 

MANN IM SCHATTEN

Regie: Arthur Maria Rabenalt
A 1961

Eine Fabrikantin wird ermordet. Ihr Geliebter und ein geheimnisvoller Geschäftsmann geraten in Verdacht. Spannungsreicher Stil verbindet sich mit wienerischem Charme zu einer doppelbödigen Melange: Vordergründig harmlos und nett, dahinter präzise und entlarvend. Der Kabarettist Helmut Qualtinger spielte in diesem Film zum ersten Mal den grantelnden Wiener Oberpolizeirat Dr. Radosch.

 

Online von 22.5. bis 28.5.

GEISSEL DES FLEISCHES

Regie: Eddy Saller
A 1965

Dieser ungewöhnliche Sex-and-Crime-Film zeigt den schmalen, aber entscheidenden Grat zwischen den alltäglichen Lüsternheiten und dem Überschreiten der Grenze hin zur pathologischen Tat. Er ist inspiriert von den Aufsehen erregenden Mordfällen des selbsternannten »Mörders von der Oper« Josef Weinwurm, der 1964 zu lebenslangem schwerem erschärftem Kerker verurteilt wurde.

 

Online von 29.5. bis 4.6.

WIENERINNEN

Regie: Kurt Steinwendner
A 1952

Kurt Steinwendner greift in seinem Bemühen um Wirklichkeitsnähe zu ungewohnten Erzählmitteln: Er gliedert die vier Eifersuchtsdramen in allegorische Episoden, meidet das Film-Atelier und dreht mit Laien- und Profidarstellern an atmosphärischen Originalschauplätzen. Nicht die gängigen Wien-Bilder stehen im Zentrum, sondern periphere, filmisch unerschlossene Stadtgebiete, etwa: die kargen, verwinkelten Räume von Ziegelfabriken und Getreidesilos.

 

Online von 29.5. bis 4.6.