Retrospective
 

Neuanfänge

Spielfilmdebüts Österreichischer Regisseurinnen 1999–2021

10.9.–19.10.2021

Am Anfang steht ein Film wie ein Befreiungsschlag: NORDRAND von Barbara Albert feiert 1999 beim Filmfestival von Venedig seine umjubelte Premiere. Und plötzlich ist alles anders. Nicht nur ist dieser erste österreichische Spielfilm einer Regisseurin im Wettbewerb auf einmal in aller Munde, er löst auch eine neue Welle im heimischen Filmschaffen aus – vom »österreichischen Filmwunder« ist die Rede. Darüber hinaus, und das ist wohl sein noch größerer Verdienst, bricht er einen Bann, der bis dahin über den Filmemacherinnen gelegen ist, und sorgt für die breite öffentliche Wahrnehmung ihrer Arbeiten und Anliegen – auch weit über die Landesgrenzen hinaus.

 

Der von Isabella Reicher herausgegebene Band »Eine eigene Geschichte. Frauen Film Österreich seit 1999« bildet einen essenziellen Ausgangspunkt für diese Retrospektive und wird im Rahmen der Eröffnung präsentiert. Die Schau findet in Kooperation mit FC Gloria – Frauen Vernetzung Film statt.


Neuanfänge – Spielfilmdebüts Österreichischer Regisseurinnen 1999–2021

Retrospektive vom 10. September bis 19. Oktober 2021

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Covid-19

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Mit dem Wind der Veränderung, der um die Jahrtausendwende in der österreichischen Filmszene weht, werden junge, weibliche Stimmen laut, die auf den großen Festivals Anklang finden und exzellente Kritiken erhalten. Ein enormer Qualitätsschub macht sich bemerkbar und definiert den heimischen Film formal, ästhetisch und inhaltlich neu. Nicht von ungefähr ist Barbara Albert eine der wesentlichen Protagonistinnen dieser »Nouvelle Vague Viennoise«, deren Ausgangspunkt einige Kurzfilme bilden, mit denen sie und ihre MitstudentInnen bereits an der Filmakademie auf sich aufmerksam machen: Albert ist, ebenso wie Jessica Hausner, eine der MitbegründerInnen der Produktionsfirma coop99 und tritt auch als Drehbuchautorin für die ersten Langfilme von Ruth Mader und Nina Kusturica in Erscheinung. Filmemacherinnen, deren Blicke das österreichische Kino bis heute prägen.

 

Es ist ein Kino, das vor allem weibliche Figuren ins Zentrum rückt und damit Fragen nach ihrer Identität, ihrem Platz in der Gesellschaft stellt und von Selbstermächtigung, Emanzipation und Rebellion gegen männliche dominierte Systeme erzählt. Ein Kino, das auf diesem Weg auch die Situation der Filmemacherinnen selbst reflektiert, die sich im Lauf der letzten beiden Jahrzehnte nur langsam zum Besseren gewendet hat. Der 2018 von Filminstitut und Bundeskanzleramt veröffentlichte Film Gender Report 2012–2016 erhob zum einen, dass nur 20 Prozent der Herstellungsförderung Projekten mit Frauen in der Funktion Regie, Produktion oder Drehbuch zugesprochen wurden, und zum anderen, dass niedrige Förderbeträge überproportional häufig an Projekte mit hohem Frauenanteil gingen. Seit 1. Juli 2021 ist nun ein Fördermodell in Kraft, das die Budgets in den kommenden Jahren schrittweise angleichen soll, ohne dabei den Fokus auf inhaltliche, künstlerische und wirtschaftliche Qualität aus den Augen zu lassen.

 

Neuanfänge ist als Titel in doppelter Hinsicht programmatisch: Die Zusammenstellung ermöglicht eine umfassende Rückschau auf insgesamt 30 Arbeiten, die eine inzwischen etablierte und die ihr nachfolgende Generation junger, vielversprechender Filmemacherinnen vereint. Und es ist ein hoffnungsvoller Auftakt für ein Kino, das aufräumt mit leeren Bekenntnissen, das weibliche Geschichten, Perspektiven und Ideen ins Zentrum rückt und kompromisslos feiert. Es wird noch viel passieren! (Florian Widegger)

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