Retrospective
 

FILMLAND RUMÄNIEN

Absurdität und Subversion

8.3.–4.4.2019

Dates

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»Neue Wellen«, die diesen Namen verdient haben, sind im Kino seltener, als man glaubt. Ausgerechnet Rumänien hat in den frühen Nullerjahren seine eigene hervorgebracht, deren Filme bis heute mit eigenwilligem Realismus für Festival-Furore sorgen. Ausgerechnet?

 

Dass der Nährboden für die Erneuerungsbewegung äußerst fruchtbar war, will diese Schau zeigen. Sie stellt hierzulande kaum bekannte Arbeiten bedeutender rumänischer Filmemacher vor, die unter der Ceauşescu-Diktatur tätig waren – und ihren Nachfolgern gegenüber. Ihre Gemeinsamkeit: Absurdität und Subversion. Wegweisende Langfilme werden dabei mit aktuellen Kurzfilmen in Dialog gebracht und von fünf Marksteinen des Neuen Rumänischen Kinos ergänzt.


Filmland Rumänien

Retrospektive vom 8. März bis 4. April 2019

Kuratoren

Patrick Holzapfel, Andrey Arnold

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 15:00-21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Seit mehr als einem Jahrzehnt prägt das sogenannte Rumänische Filmwunder das internationale Festivalkino. Mit zahlreichen Preisen bedacht, haben seine Hauptfiguren eine völlig eigenständige Form von Realismus zur Vollendung gebracht: lange Einstellungen, reduzierte Farben und Handkameraarbeit, gepaart mit einem erstaunlichen Gespür für die Bedeutung des Banalen und das Komische im Tragischen. Als Cristi Puiu, Corneliu Porumboiu & Co auszogen, um das Post-Ceauşescu-Kino aus seiner kreativen Schockstarre zu befreien, wirkte das zunächst wie eine komplette Neuerfindung. Sie wagten nicht nur einen Angriff auf dominante Erzählweisen des europäischen Films, sie thematisierten auch ganz offen das Ausbleiben gesellschaftlicher Veränderung, die sich viele ihrer Landsleute von der Revolution erhofft hatten.

 

Allerdings kennt ihre sozialkritische Hinwendung zu den Absurditäten des Alltags zahlreiche herausragende Vorläufer, die schon während des kommunistischen Regimes versuchten, das rumänische Kino mit subversiven Stoffen und einer radikalen politischen Ästhetik zu beleben. Dass ihre großartigen Filme immer wieder der Zensur zum Opfer fielen, ändert nichts daran, dass sie ein vielschichtiges und mitunter hochamüsantes Bild des Lebens im sozialistischen Rumänien zeichnen. Von überbordender Bürokratie über ländliche Verarmung bis hin zur Rolle der Frau im Kommunismus wird vieles mit erstaunlicher Direktheit auf der Leinwand verhandelt.

 

Im Dialog mit zeitgenössischen Positionen wird deutlich, welchen Einfluss Filmemacher wie Alexandru Tatos, Mircea Săucan oder Lucian Pintilie auf die junge Regie-Generation haben. Insbesondere in ihrer medienkritischen Grundhaltung, die vorgekaute Wahrheiten hinterfragt und das Kino als nicht immer verlässlichen Verbündeten auf der Suche nach systemischen Lügen und menschlichen Grausamkeiten betrachtet, treffen sich Altvordere und Nachgeborene.

 

Viele der gezeigten Arbeiten wenden sich immer wieder an die Geschichte, um von der Gegenwart eingeholt zu werden. Der tägliche Trott oder das Familienleben werden von den Figuren oft für wichtiger befunden als Ideologie. Aber statt sich in Zweifeln an der nationalen Identität zu verheddern, greifen die Filme immer wieder über sich selbst hinaus und beschäftigen sich mit universellen Überlegungen zum Menschsein, zu Träumen oder zur Sisyphusaufgabe des Daseins. Die existenzialistische Sinnlosigkeit und große Komik, die damit einhergeht, bringen selten in solcher Gleichzeitigkeit zum Lachen und Weinen wie hier. Wir müssen uns die Rumänen als glückliche Menschen vorstellen. (Patrick Holzapfel, Andrey Arnold)

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Filmland Rumänien

»Ideologien trennen uns. Träume und Ängste bringen uns einander näher.«

Eugène Ionesco
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