Retrospective
 

Elfi Mikesch

Retrospektive

14.1.–2.2.2022

Auf wenige österreichische Film-Frauen trifft der Begriff »Pionierin« in so vielerlei Hinsicht zu wie auf die Fotografin, Kamerafrau und Regisseurin Elfi Mikesch. Mit ihrem Blick hat sie das subversive, feministische, queere Kino der BRD in den 1980er-Jahren wie kaum eine andere geprägt. Als Filmemacherin wandert sie entlang der Nahtstellen von Realität und Inszenierung, ihre Kollaborationen mit Monika Treut, Rosa von Praunheim und Werner Schroeter sind vom Hang zum Experiment ebenso getrieben wie vom Gedanken, dass Kunst und Leben eine Einheit sind. Elfi Mikesch ist Künstlerin durch und durch, weiß für sich immer Neues zu finden, sich selbst dabei immer neu zu erfinden. Die Retrospektive umfasst sämtliche ihrer Regiearbeiten, darunter auch die Premiere ihres Films DIE STRASSE ALS ERZÄHLUNG sowie ausgewählte Kameraarbeiten aus vier Jahrzehnten.

 

Eine Auswahl der gezeigten Filme ist ab 14. Jänner auch kostenlos im digitalen Heimkino zu sehen.


Elfi Mikesch

Retrospektive vom 14. Jänner bis 2. Februar 2022
Online-Programm im digitalen Heimkino

Kurator

Florian Widegger

Ticketreservierung

reservierung@filmarchiv.at
+43 1 512 18 03 (täglich 14:00–21:00)

Spielort

METRO Kinokulturhaus
Johannesgasse 4, 1010 Wien
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Covid-19

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VERRÜCKT BLEIBEN, VERLIEBT BLEIBEN. So lautet nicht nur der Titel eines ihrer schönsten Filme. Es könnte auch ein Motto sein, das Elfi Mikeschs Werk als Ganzes umschreibt. Und ehrlich – wie könnte man es poetischer auf den Punkt bringen? Mikesch, 1940 im steirischen Judenburg geboren, kommt eigentlich über die Fotografie, deren Handwerk sie noch in ihrer Heimatstadt lernt, zum Film. Mit Mitte 20 zieht sie nach Westberlin, wo sie die künstlerische Seite des Berufs entdeckt, und beginnt mit Super-8 zu experimentieren. Ihr Debütfilm ICH DENKE OFT AN HAWAII (1978) weist bereits darauf hin, dass sie sich mit ihren Arbeiten nicht in Schubladen stecken lassen wird: In einer Zeit, in der Dokumentarfilme noch betont »direkt« zu sein haben, verschränkt sie Fiktion und Realität, Fantasie und Wirklichkeit und hebt sich von üblichen Sozialstudien ab. Diese Herangehensweise setzt sie in ihrem nächsten Film WAS SOLL’N WIR DENN MACHEN OHNE DEN TOD (1980) fort, eine der bis heute eindrücklichsten Reflexionen über Altern und Sterben.

 

Mitte der 1980er-Jahre dreht sie gemeinsam mit Monika Treut VERFÜHRUNG: DIE GRAUSAME FRAU, der bei seiner Uraufführung als Provokation zur Frage von Rollenbildern und Machtverhältnissen zwischen den Geschlechtern aufgenommen wird, inzwischen aber als Schlüsselfilm des Jahrzehnts und des deutschen Queer Cinema gilt. Bis heute arbeiten Treut und Mikesch gemeinsam an Filmen, in denen sie die Geheimnisse und Vieldeutigkeit von Geschlecht erforschen und repressive Moralvorstellungen und Ideale überschreiten – der aktuellste, GENDERATION (2021), feiert im Rahmen dieser Retrospektive seine Österreich-Premiere ebenso wie ihr neuester Foto-Film DIE STRASSE ALS ERZÄHLUNG, eine spielerische Auseinandersetzung zum Verhältnis von Fotografie und Kino, die Mikeschs Schaffen durchzieht.

 

Auch für Rosa von Praunheim und Werner Schroeter, zwei weitere wesentliche Proponenten des neuen deutschen queeren Films, führt sie regelmäßig die Kamera, Letzterem widmet sie nach seinem Tod sogar ein eigenes, bewegendes Porträt, MONDO LUX (2011). Das Licht bzw. die Lichtgestaltung ist ein wesentliches Element, das die unterschiedlichen Arbeiten und Regiestile miteinander verbindet: Wenn Elfi Mikesch hinter der Kamera steht, ist das erkennbar. Unter anderem auch dafür wird sie auf der Berlinale 2014, als ihr autobiografischer Spielfilm FIEBER dort Premiere feiert, mit dem Teddy-Award für ihre künstlerische Lebensleistung ausgezeichnet. (Florian Widegger)

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