Peter Patzak

1945–2021

Er war eine der schillerndsten, genialsten und streitbarsten Persönlichkeiten des österreichischen Films. Völlig überraschend ist Peter Patzak am 11. März im Alter von 76 Jahren gestorben.

 

Am meisten wird wohl seine gemeinsam mit Helmut Zenker erarbeitete Schöpfung des Polizeimajors Adolf Kottan in Erinnerung bleiben – der Straßenfeger des österreichischen Fernsehens in den 1970er-Jahren. Dabei gilt Patzak in dieser Zeit als DIE große Nachwuchshoffnung im heimischen Kino und arbeitet schon in seinen ersten, in englischer Sprache gedrehten Filmen mit Stars wie Rita Tushingham, Paula Wessely, Mathieu Carrière oder Carroll Baker zusammen. In KASSBACH (1979) beschäftigt er sich – als einer der Ersten in Österreich – mit der Neonazi-Szene und der unterdrückten Vergangenheit im eigenen Land und reüssiert damit auch international. Kein Geringerer als Martin Scorsese, der für die 2009 im Verlag Filmarchiv Austria erschienene Monografie das Vorwort verfasst hat, zählt diesen zu seinen Lieblingsfilmen.

 

Ab den 1980er-Jahren kommt Patzak dem Kino abhanden, es fällt zunehmend schwerer, seine groß dimensionierten Projekte umzusetzen. Somit wechselt er zurück zum Fernsehen, wo man es ihm mehrere Jahre lang ermöglicht, (verhältnismäßig) kleinere Projekte zu realisieren. Doch Anfang des Jahrtausends endet auch diese Phase, trotz der damit einhergehenden Erfolge, Ehrungen und Preise. Patzak widmet sich wieder vermehrt seiner »ersten« Leidenschaft, der Malerei, die er in den 1960er-Jahren unter Albert Paris Gütersloh, dem geistigen Vater der Wiener Schule des Phantastischen Realismus, studiert hat und über die er ursprünglich zum Film gekommen ist. 27 Jahre nach dem Ende der Serie holt er Major Kottan noch einmal zurück ins Rampenlicht, auf die große Leinwand: RIEN NE VA PLUS heißt der letzte Fall, den es 2010 zu lösen gilt. Im selben Jahr widmet das Filmarchiv Austria Patzaks Schaffen die erste und bislang umfassendste Retrospektive.

 

Anlässlich der im März 2020 eröffneten Ausstellung »Kino Welt Wien« gibt er, der als Filmfanatiker buchstäblich »im Kino« aufgewachsen ist, dem Filmarchiv Austria eines seiner letzten Interviews und erzählt von seinen Erinnerungen. Im Sommer 2020 ist Peter Patzak schließlich zu Gast im Open-Air-Kino »Wien wie noch nie« am Augartenspitz und begeistert von seinem großteils jungen Publikum, das diesen Abend seinerseits nun wohl in ganz besonderer Erinnerung behalten wird.

Peter Patzak spricht im METRO Kinokulturhaus über das Kino, Februar 2020

»Tolle Erinnerungen. Schöne Filme.
Der letzte Film, den ich im Marchfeld-Kino gesehen habe, war DIE BRÜCKE AM KWAI,
und der ganze Bezirk hat dann eine Woche lang dieses Lied gepfiffen.«

Peter Patzak über sein Stammkino
Peter Patzak im Metro 2010 © Raimund Appel